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Der Brückenheilige in der Wiese - Serie Land der Kapellen Teil 3/6

GLAUBENS_GUT

Auf einer flachen Wiese im Inntal steht sie, die kleine Nepomukkapelle. Von hier aus ist kein Wasser zu sehen. Was der Prager Brückenheilige dennoch hier für eine Aufgabe hat, verraten Christine und Karl Klingler.

Ausgabe: 29/2026
14.07.2026
Der hl. Johann Nepomuk steht üblicherweise auf Brücken. Hier in der Nähe war eine Inn-Überfuhr.
Der hl. Johann Nepomuk steht üblicherweise auf Brücken. Hier in der Nähe war eine Inn-Überfuhr.
© Slouk

Warum der heilige Johann Nepomuk in Terfens in Tirol mitten in einer Wiese steht statt wie sonst auf einer Brücke, ist nicht auf den ersten Blick verständlich. Wenn Karl und Christine Klingler aber von ihrem Kirchlein und seiner Geschichte erzählen, leuchtet es schnell ein.

 

Denn unweit dieser Wiese gab es eine Überfuhr über den Inn, lange bevor es zwischen Terfens und dem gegenüberliegenden Ort Weer eine Brücke gab. Pferde zogen ein Holzfloß hin und her, um Menschen und Waren über den Fluss zu befördern. Da konnte ein Schutzheiliger wie Johann Nepomuk nicht fehlen. Der Urgroßvater des heutigen Besitzers hat die Nepomukkapelle errichtet.


Ein offenes Haus für alle


In früheren Jahren diente die Kapelle häufiger als Gottesdienstraum. Karl Klingler erinnert sich an Maiandachten, die seine großen Schwestern für die Nachbarschaft vorbereiteten. Später wurden sogar monatliche Messen hier gefeiert. Seit Terfens zu einem Seelsorgeraum gehört, wird nur mehr zum Patrozinium des heiligen Johann Nepomuk am 16. Mai eine Messe gefeiert. Und auch die entfiel heuer, das hatte aber einen besonderen Grund: Karl Klinglers Vater war kurz vorher verstorben. Er hatte sich mit seiner Frau immer sehr um die Kapelle gekümmert. „Die beiden haben uns die Kapelle in einem guten Zustand weitergegeben“, freut sich Christine Klingler, die jetzt die Hauptverantwortung für die Pflege der Kapelle trägt. Wenn sie zuhause ist und Zeit hat, sperrt sie das kleine Gotteshaus täglich auf, damit alle, die wollen, hineinschauen und zur Ruhe kommen können.

 

Es ist immer etwas zu tun hier


Die Kapelle liegt zwar in Sichtweite ihres Hauses, trotzdem bedeutet es zeitlichen und finanziellen Aufwand, sie zu erhalten. 2013 hat die Kapelle ein neues Dach bekommen, frisch ausgemalt wurde sie auch. Eine Herausforderung ist das Grundwasser, das die Mauern von unten her belastet. Auch mit diesem Problem befassen sich die Klinglers, um der übernommenen Verantwortung gerecht zu werden und das kleine Gebäude für die Nachwelt zu erhalten. „Wenn eine Generation auslässt, ist es vorbei“, das ist Christine Klingler klar. Die Töchter der Klinglers spielen durchaus mit dem Gedanken, einmal hier zu heiraten. Sie wurden auch hier getauft. Hochzeiten, Silberhochzeiten oder Taufen gibt es in der Nepomukkapelle immer wieder.

 

Neues Zuhause für Heiligenfiguren


Nach dem Tod des Großvaters im Frühjahr hat die kleine Kapelle einige neue „Bewohnerinnen“ bekommen: aus Holz geschnitzte Heiligenfiguren. Die Namenspatrone der Familienmitglieder Christine, Hildegard und Karl sowie die heilige Cäcilia. „Die habe ich als Ehrenobmann bei der Musik einmal bekommen“, erinnert sich Karl Klingler. Jetzt bekommt die Schutzpatronin der Musik einen Ehrenplatz in der Nepomukkapelle. Noch steht sie am Boden, bald erhält sie einen Sockel, so wie die anderen Heiligen.


Karl Klingler spielt Flügelhorn in einer Bläsergruppe. Durch die Musik haben sich die Eheleute vor vielen Jahren kennengelernt – Christine war damals Marketenderin. Später organisierten sie Krippenmessen in der Nepomukkapelle, zu denen jedes Jahr rund 80 Menschen kamen. Das war wunderschön und stimmungsvoll, erinnern sich beide, aber irgendwann ist es der Familie einfach zu viel geworden. „Die Krippenmessen in der Nepomukkapelle begannen durch das Krippenblasen, später wurden die Feiern immer noch größer und schöner. Aber zwischen Weihnachten und Silvester hat das auch großen Stress bedeutet.“ Familie Klingler hat nicht nur die Kapelle immer aufwändiger dekoriert, sondern auch alle Gäste verköstigt.


Ein ganz besonderes Örtchen


Die Landwirtschaft haben Karl und Christine Klingler auf Kälbermast umgestellt. Karl ist gleichzeitig in der Betriebsleitung von Troger Holz in Vomp tätig, Christine ist Mitarbeiterin einer zahnärztlichen Praxis in Innsbruck. Und am Wochenende sind sie, wie soll es anders sein, gerne sportlich in den Bergen unterwegs. Ihre Nepomukkapelle dient da durchaus hin und wieder als Ruhepol. „Manchmal fällt uns erst um 10 am Abend ein, dass wir noch zusperren müssen“, meint Karl Klingler. Dann würden sie hinausgehen und eine ganz besondere Stimmung erleben. „Irgendwie mystisch“, meint auch seine Frau. Das Gefühl könne man schwer beschreiben, sagt Karl. „Da kommt einem noch der eine oder andere Gedanke. Manches kann man dann hier lassen.“  

 

Die Kapelle in Kürze


erbaut vom Urgroßvater des jetzigen Besitzers
dem hl. Johannes Nepomuk geweiht
in Terfens/Tirol, in der Wiese 
hinter dem Auweg 18

 

Land der Kapellen

 

Die Bundeshymne lobt Österreich als Land der Dome. Österreich ist aber auch ein Land der Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze. Die privaten „Gotteshäuschen“ bestehen nur, weil Menschen sie hegen und pflegen. Warum sie das tun, erzählt die 6-teilige Sommerserie der österreichischen Kirchenzeitungen.

Die Nepomukkapelle der Klinglers steht in Sichtweite vom alten Bauernhaus (r.) und vom neueren Wohnhaus (l.). Wenn die Besitzer zuhause sind, halten sie die Kapelle offen für alle.
Die Nepomukkapelle der Klinglers steht in Sichtweite vom alten Bauernhaus (r.) und vom neueren Wohnhaus (l.). Wenn die Besitzer zuhause sind, halten sie die Kapelle offen für alle.
© Slouk
Die Nepomukkapelle ist ein guter Ort, um ein wenig herunterzukommen vom Alltagstempo.
Die Nepomukkapelle ist ein guter Ort, um ein wenig herunterzukommen vom Alltagstempo.
Christine und Karl Klingler haben mit der Kapelle auch eine Aufgabe geerbt.
Christine und Karl Klingler haben mit der Kapelle auch eine Aufgabe geerbt.
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