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Die Kapelle im Obstgarten - Serie Land der Kapellen Teil 1/6

GLAUBENS_GUT

Seit 30 Jahren hegen Andreas und Maria Hofer aus Obertrum die Idee, eine Kapelle zu bauen. Den richtigen Ort fanden sie schließlich in der Streuobstwiese gegenüber ihren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Bald wird die Kapelle zur heiligen Familie fertig.

Ausgabe: 27/2026
30.06.2026
- Monika Slouk
Eine Kapelle (Gelb) in einem Garten umgeben von Bäumen.
Eine Kapelle (Gelb) in einem Garten umgeben von Bäumen.
© Slouk

Heute kann ich mir den Parkplatz aussuchen. An einem Mittwoch ist es ruhig vor dem Hofladen beim Joglbauer in Obertrum. Kaum habe ich mich für einen der freien Plätze entschieden, tritt Altbäuerin Maria Hofer aus dem Haus und winkt zur Begrüßung. Sie ist gerade mit Vorbereitungen beschäftigt, damit es zu den Öffnungszeiten am Freitag und Samstag wertvolle Lebensmittel in der Vitrine gibt: Milchprodukte wie Frischkäse, Topfenaufstrich, Süßrahm, Sauerrahm, Butter oder Milch in Bio-Qualität ebenso wie selbstgemachte Marmeladen, Essig, Säfte, Schnäpse und andere Erzeugnisse aus Obst. Mehlspeisen und Sauerteigbrot dürfen nicht fehlen. „Das Brot haben wir immer schon so gebacken, nicht erst seit es Mode ist“, lacht die gerade Siebzigjährige mit den braunen Locken.

 

Pioniere der Bio-Landwirtschaft


Maria Hofer hat den Bauernhof vor vielen Jahren als 22-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Hofer übernommen und betrieb ihn ab 1979 als Bio-Landwirtschaft. Damals galt das Ehepaar noch als Außenseiter, musste sich für die neuen Methoden rechtfertigen. „Eure Milch ist auch nur weiß“, hieß es. „Was ist dann der Unterschied?“ Seither hat sich vieles verändert. Die Nachfrage nach hochwertigen landwirtschaftlichen Produkten ist ebenso gestiegen wie das Interesse an biologischen Lebensmitteln. Andreas und Maria Hofer haben ihren Betrieb auf- und ausgebaut, sodass er heute ein Vorzeigehof mit eigenem Seminarraum und regelmäßigen internationalen Gästen ist. Beide sind in die Arbeit am Hof eingebunden, haben den Betrieb aber längst übergeben. Robert, einer der zwei Söhne, hat das Ruder gemeinsam mit seiner Frau Katharina in der Hand. Die Altbauern haben nicht nur fünf Enkelkinder – „Das zweite Urenkerl ist unterwegs“, verrät Maria Hofer und lächelt.

 

Was die Generationen verbindet


Die Familie hat hier einen hohen Stellenwert. Dass drei Generationen zusammenarbeiten, bedeutet eine Entlastung für die Einzelnen. „Da kann man sich auch einmal ein Wochenende frei nehmen“, sagt die Altbäuerin. Der Zusammenhalt ist groß, die verschiedenen Generationen verbinden gemeinsame Werte, Interessen und der Glaube. „Da kann man schon einmal Danke sagen“, freut sich Maria Hofer über alles, was in der Familie gelungen ist. Das war nicht wenig in den letzten Jahrzehnten, wie an den schönbrunngelben Gebäuden in Hohengarten zu erkennen ist. Wer von Obertrum heraufkommt, sieht zunächst das stattliche Bauernhaus rechts der Straße. Mit etwas Respektabstand folgt auf derselben Straßenseite ein dreigeschoßiges Wirtschaftsgebäude, in dessen Erdgeschoß sich der Hofladen und ein großer Seminarraum befinden. Noch ein Stück weiter das Auszugshaus, ebenfalls mit drei Geschoßen. Hier finden nicht nur die Altbauern, sondern auch zwei Enkelsöhne Wohnung. 


Bis die Zeit reif ist


Während all der Jahre, in denen Andreas und Maria Hofer um-, zu- und ausgebaut haben, verfolgte sie eine Idee: Wir wollen nicht nur Wirtschafts- und Wohngebäude errichten, sondern auch eine Kapelle. „Viele Jahre lang waren andere Baustellen dringender“, erinnert sich Andreas Hofer, der für das Gespräch die Heuernte unterbrochen hat. Währenddessen suchte man nach dem perfekten Ort für das kleine Gotteshaus. Pläne wurden verworfen, weil Zeit und Ort noch nicht reif waren. „Es war ein Glück, dass wir uns die Zeit genommen haben“, blickt Maria zurück. Und noch ein Glück erwähnen die beiden: Das handwerkliche Talent, das in der Familie liegt. „Auch ein kleiner Bau kann aufwändig sein“, weiß der Altbauer und nennt als Beispiel die Gewölbe und Bögen der Kapelle.

 

Ein neues Herz für Hohengarten  


Mittlerweile hat die Kapelle ihren idealen Ort gefunden. Sie steht in der Streuobstwiese auf der linken Straßenseite, dem Hofladen gegenüber. So wird sie vom Bauernhaus, vom Wirtschaftsgebäude und vom Auszugshaus ebenso gesehen und bildet ein Zentrum für das Ensemble in Hohengarten. Fast alles hat Andreas Hofer selbst gebaut, mit Hilfe seiner Söhne. Dennoch gehört ihm die Kapelle nicht, wie er anmerkt, und Maria Hofer klärt auf. „Uns gehört hier praktisch gar nichts mehr. Bereits bei der Hofübergabe haben wir mit den Jungen besprochen, dass wir noch gerne die Kapelle bauen würden.“ Damit waren die heutigen Besitzer einverstanden. „Auch unsere Enkel haben ein Gespür für Schönheit“, bemerkt Andreas. „Wir sind uns sicher, dass sie sich weiter um die Kapelle kümmern werden.“ Wenn alles gut geht, könnte die Kapelle, die der heiligen Familie gewidmet ist, geweiht werden und für Taufen und Trauungen dienen. Das würden sich die Erbauer jedenfalls wünschen. Und das Schönste wäre? „Wenn der Erzbischof zur Weihe käme!“ Den beiden ist es zuzutrauen.   

 

Die Kapelle in Kürze


Erbaut von Maria und Andreas Hofer
zurzeit in Fertigstellung
der hl. Familie und den 14 Nothelfern gewidmet
in Salzburg, Obertrum, Hohengarten

 

Land der Kapellen

 

Die Bundeshymne lobt Österreich als Land der Dome. Österreich ist aber auch ein Land der Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze. Die privaten „Gotteshäuschen“ bestehen nur, weil Menschen sie hegen und pflegen. Warum sie das tun, erzählt die 6-teilige Sommerserie der österreichischen Kirchenzeitungen.

Das Altarbild wartet noch auf den Maler. Es bietet Durchblick auf das Rundfenster dahinter mit dem brennenden Herzen Jesu.
Das Altarbild wartet noch auf den Maler. Es bietet Durchblick auf das Rundfenster dahinter mit dem brennenden Herzen Jesu.
© Slouk
Andreas und Maria Hofer hatten seit Jahrzehnten die Idee, eine Kapelle zu bauen.
Andreas und Maria Hofer hatten seit Jahrzehnten die Idee, eine Kapelle zu bauen.
Wertvolle Materialien: Neben Eichenholz und Glasmalerei kam (Adneter) Marmor zum Einsatz.
Wertvolle Materialien: Neben Eichenholz und Glasmalerei kam (Adneter) Marmor zum Einsatz.
Noch sind die letzten Arbeiten in der Kapelle nicht abgeschlossen. Aber bald.
Noch sind die letzten Arbeiten in der Kapelle nicht abgeschlossen. Aber bald.
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