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Sie haben die Freude am Selberbacken für viele Menschen neu entfacht. Was macht für Sie selbst bis heute die Faszination des Backens aus?
Christina Bauer: Mich fasziniert bis heute, dass aus ein paar einfachen Zutaten etwas Besonderes entsteht. Nach kurzer Zeit hält man etwas in den Händen, das gut riecht, gut aussieht und Freude macht. Gerade in einer Zeit, in der so vieles digital ist, finde ich es schön, am Ende ganz konkret zu sehen, was man geschaffen hat. Und das Allerschönste ist: Man kann das Gebackene gemeinsam mit Familie oder Freunden genießen. Diese Freude am Selbermachen und am Miteinander macht das Backen für mich bis heute so besonders.
Wie wichtig war für Sie der Mut, Dinge einfach auszuprobieren?
Bauer: Mut war natürlich wichtig, aber auch eine gewisse Wurschtigkeit. Ich habe mich nicht ständig gefragt, was andere über mich und meinen Weg denken. Ich habe einfach etwas gemacht, das mir selbst Freude bereitet hat. Als dann die ersten Menschen gefragt haben, ob ich ihnen das zeigen kann, hatte ich keine Scheu, es einfach anzugehen.
Was hilft Ihnen, sich weiterzuentwickeln?
Bauer: Vor allem offen zu bleiben. Ich glaube nicht, dass es immer nur den einen richtigen Weg gibt. Viele Wege führen zum Ziel. Deshalb höre ich anderen zu und freue mich über Vorschläge, gerade von meinen Mitarbeiterinnen. Oft entstehen gerade im gemeinsamen Austausch die besten Ideen. Wenn ich als Chefin weiß, was meine Mitarbeiterinnen beschäftigt oder worüber sie sich ärgern, ist das eine gute Basis für die notwendigen Verbesserungen.
Wie gehen Sie damit um, wenn etwas misslingt beim Backen?
Bauer: Dass beim Backen einmal etwas misslingt, gehört einfach dazu. Wenn jemand behauptet, ihm gelingt immer alles, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder er lügt oder er backt gar nicht. Ob etwas misslungen ist, ist oft aber eine Frage der Sichtweise. Viele sagen, dass ein Kuchen misslungen ist, wenn er nicht genauso aussieht, wie sie ihn sich vorgestellt haben. Dabei schmeckt er meistens trotzdem und das ist das Wichtigste. Die Optik ist vor allem Übungssache. Je öfter man etwas backt, desto schöner gelingt es auch. Natürlich spielt bei meinen Kuchen und Torten das Aussehen ebenfalls eine Rolle, weil ich meine Ergebnisse fotografiere. Aber was nützt der schönste Kuchen, wenn er am Ende staubtrocken ist.
Was ist eigentlich schlimmer: ein trockener Kuchen oder einer, der speckig bleibt?
Bauer: Für mich ist trocken der größere Fehler. Gerade bei uns in der Familie ist es wichtig, dass ein Kuchen schön saftig ist. Da ist mir im Zweifel sogar lieber, er ist ein bisschen speckig. Also besser etwas früher aus dem Ofen nehmen, als ihn zu lange drinnen zu lassen.
Gibt es einen Rat aus der Backstube, der sich aufs Leben übertragen lässt?
Bauer: Perfektion kann einem die Freude nehmen. Gerade beim Backen darf auch Platz für kleine Unterschiede und Unvollkommenheiten sein. Dass nicht immer alles makellos sein muss, könnte man auch als allgemeine Lebensweisheit sehen.
Ihr Alltag vereint viele verschiedene Aufgaben: vom Bauernhof über Ihr Unternehmen bis zur Familie. Wie schaffen Sie es, alles miteinander zu verbinden?
Bauer: Mein Zugang dazu ist: Was ich heute nicht schaffe, mache ich morgen. Ich war da immer schon sehr gelassen und lebe stark im Augenblick. Wenn man ständig nur darüber nachdenkt, was man noch alles machen könnte, kommt man irgendwann aus dem Denken gar nicht mehr heraus.
Wenn ich daheim bin, bin ich daheim, und wenn ich bei der Arbeit bin, bin ich bei der Arbeit. Das ist vielleicht nicht immer für alle in meinem Umfeld einfach. Wenn mein Mann zum Beispiel sagt: „Kannst du das noch machen oder das noch mitnehmen?“ und ich mache es nicht gleich, dann ist es meistens weg und ich habe es wieder vergessen. Aber ich gehe da einfach mit einer gewissen Gelassenheit heran.
Was gibt Ihnen das Leben am Bauernhof, dass Sie woanders vermissen würden?
Bauer: Der Bauernhof gibt mir vor allem Bodenständigkeit und Bodenhaftung. Den Kühen ist es völlig egal, was man an diesem Tag gemacht hat und denen ist es völlig egal, wie viele Leute dir gesagt haben, wie super das ist, was du tust. Sie sind einfach, wie sie sind. Das tut gut und holt einen immer wieder auf den Boden zurück.
Unsere Interviewreihe heißt „Sommerfrisch“. Wenn Sie jetzt auf Ihr Leben blicken: Was fühlt sich gerade leicht und gut an?
Bauer: Ich glaube, sehr viel hat mit der eigenen Einstellung zu tun. Ich bin einfach dankbar, dass ich das, was ich so gerne mache, auch beruflich tun darf. Ich glaube, genau das ist der Schlüssel zum Erfolg: Was man gerne macht, das macht man meistens auch gut. Und genau das gibt mir auch eine gewisse Leichtigkeit im Leben.
Und was hilft Ihnen in schwierigen Zeiten?
Bauer: Meine Kraftquelle ist vor allem die Natur: rausgehen, in die Berge gehen, den Kopf frei bekommen und zur Ruhe kommen.
Welche Rolle spielt der Glaube in Ihrem Leben?
Bauer: Der Glaube spielt in meinem Leben schon eine große Rolle, vor allem durch die Überzeugung, dass manches im Leben einen Sinn hat, auch wenn wir ihn oft erst später erkennen. Ein großes Vorbild ist für mich dabei meine Schwiegermama. Sie hatte Gebärmutterkrebs und ist mit nur 57 Jahren gestorben. Mich fasziniert, mit welcher Haltung sie ihre Krankheit und die Schmerzen getragen hat. Sie hat mir gezeigt, dass man versuchen kann, das Leben trotzdem anzunehmen und weiterzugehen. Ich weiß nicht, ob ich das selbst schaffen würde, und ich hoffe, dass ich das nie erleben muss. Natürlich stellt man sich bei schweren Schicksalsschlägen die Frage nach dem Warum.
Manchmal erkennt man erst im Nachhinein, warum etwas passiert ist. Vielleicht, weil man dadurch Menschen kennengelernt hat, die einem geholfen haben oder wichtig geworden sind. Gerade aus schweren Zeiten nimmt man oft Erfahrungen mit, die einen prägen und das weitere Leben beeinflussen.
Welche Haltung für das Leben haben Sie daraus mitgenommen?
Bauer: Wenn sich Menschen über Kleinigkeiten aufregen, denke ich mir oft: Weißt du eigentlich, wie gut es dir geht? Es ist schon ein Problem unserer Wohlstandsgesellschaft, dass viele nicht mehr das sehen, was sie eigentlich haben, sondern nur das sehen, was sie nicht haben. Für mich geht es deshalb gar nicht darum, mit meinem Unternehmen immer größer zu werden oder immer mehr zu wollen. Mein Ziel ist, dass wir gute Arbeit machen, dass ich meiner Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeiterinnen gerecht werde – und dass ich zufrieden sein kann mit dem, was ist.
Große Frage zum Schluss: Um was soll es im Leben eigentlich gehen?
Bauer: Ich glaube, im Leben geht es darum, herauszufinden, was einem wirkliche Freude macht. Deshalb finde ich es wichtig, dass junge Menschen schon in der Schule die Möglichkeit bekommen, ihre Talente zu entdecken und auch herauszufinden, was ihnen wirklich liegt. Denn nur weil man etwas gut kann, heißt das noch nicht, dass es einen auch erfüllt. Sich selbst kennenzulernen und eine Tätigkeit zu finden, die man gerne macht – darin steckt für mich ein großer Teil des Sinns im Leben.
mit Christina Bauer
Christina Bauer (39) ist Bäuerin und Bestsellerautorin, Unternehmerin mit 20 Mitarbeiterinnen. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie im Salzburger Lungau eine Landwirtschaft mit 40 Kühen und Urlaub-am-Bauernhof-Angebot. Mit ihren einfachen, alltagstauglichen Rezepten für Brot, Gebäck und Kuchen begeistert sie auf ihrer Website, in den sozialen Medien und durch ihre Bücher ein großes Publikum. Allein auf Instagram folgen ihr rund 210.000 Menschen. Sie betreibt in Tamsweg ihre „Backwelt“, eine Mischung aus Schauküche, Café und Shop.
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