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Der Funke des Franz von Assisi leuchtet

KULTUR_LAND

Christian Wirth ist Geiger, Komponist und Lehrer. Franz von Assisi begleitet ihn seit Kindheitstagen. Jetzt organisiert der Musiker ein Franziskusfestival in Enns.

Ausgabe: 38/2026
15.09.2026
- Elisabeth Leitner
Musikschullehrer, Geiger beim Spring String Quartet, Leiter des Chameleon Orchestra:  Christian Wirth.
Musikschullehrer, Geiger beim Spring String Quartet, Leiter des Chameleon Orchestra: Christian Wirth.
© Anna Wirth

Sie sind in einer Franziskaner-Pfarre in Enns aufgewachsen. Franz von Assisi inspiriert Sie seit Ihrer Kindheit. Welche Stationen Ihres Lebens haben Sie mit ihm erlebt? 


Christian Wirth: Franz von Assisi war bei uns immer präsent. Mit einer Jugendgruppe bin ich als Jugendlicher nach Assisi gefahren, im Linzer Musikgymnasium habe ich für die Matura meinen Schwerpunkt im Fach Religion zu Franz von Assisi gewählt. Die vielen Franziskusfeste in der Pfarre haben Spuren hinterlassen. Die Verbindung zur Pfarre wurde in meiner Studienzeit schwächer und ich habe auch andere spirituelle Kraftquellen gefunden, aber der franziskanische Funke ist nie erloschen. Vor über 30 Jahren habe ich gemeinsam mit Fred Hintenaus eine Franziskus-Messe komponiert, in der ich Orginaltexte von Franz vertont habe. Mit der fast gleichen Besetzung wie damals werden wir beim Franziskus-Festival „Franz800“ Lieder daraus bei der ökumenischen Wort-Gottes-Feier am Sonntag, 4. Oktober, unter freiem Himmel singen. 

 

Wie ist die Idee zum dreitägigen Franziskus-Festival entstanden, das rund um seinen Namenstag in Enns stattfindet? 


Wirth: Pater Alexander Puchberger, der mich als Jugendlicher sehr geprägt hat, ist zum Jahresanfang auf mich zugekommen und hat mich und meine Frau Martina gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, den Sonnengesang neu zu vertonen. Wir haben Ja gesagt und uns gedacht, wir nehmen die Herausforderung an. Danach haben wir uns gefragt: Wie würde Franziskus das heute formulieren? Die Anrede „Herr“ zum Beispiel, das passt heute nicht mehr so wie vor 800 Jahren. Wir haben auch die Tiere in unsere Komposition mit hereingenommen. Die Uraufführung wird am Samstag, 3. Oktober, bei der Transitus-Feier in der Pfarrkirche Enns-St. Marien zu hören sein. Zum Festival inspiriert hat mich auch ein Symposium, das Heini Staudinger – ein österreichischer Unternehmer, bekannt durch seine „Waldviertler“ Schuhe – zu ökologischen Themen veranstaltet hat. 

 

Was kann uns ein Heiliger, der vor 800 Jahren gestorben ist, heute noch sagen?


Wirth: Franziskus ist zum Heiligen geworden, er hat so viele Menschen inspiriert, vor allem theologisch und spirituell. Aber ich denke, man muss ihn auch politisch sehen. Sein Weg lässt sich nicht auf ein Erweckungserlebnis reduzieren, es war ein Prozess über viele Jahre. Wie respektvoll gehen wir miteinander und mit der Schöpfung um? Welche Haltung nehmen wir gegenüber den Mitmenschen und der Natur ein? Was heißt das für unser Leben, für den Alltag? Die Vision, dass wir alle Geschwister sind – das ist revolutionär! All das hat ihn beschäftigt, und die Themen sind bis heute aktuell: Friede, soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Klima. 

 

Das Symposium trägt den Titel „Future Franz“. Impulsgeber:innen sind Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen: Friedensforschung, Theologie, Ökonomie und Politik. Was ist die Intention dahinter? 


Wirth: Beim Symposium möchten wir einen Raum für Begegnung ermöglichen – quer über alle Lager, Parteien und Konfessionen. Konträre Meinungen sind erwünscht. Die Vortragenden geben Impulse, über die man ins Gespräch kommen soll. Es geht nicht um fertige Lösungen. Mit dem Festival möchten wir grundsätzlich einen niederschwelligen Zugang für alle schaffen: mit Musik und Liturgie, Texten und Diskussionen. Musik spielt bei diesem Festival eine zentrale Rolle und ermöglicht neue Zugänge. Das Friedenskonzert „Cantico“ wird am Freitag, 2. Oktober, mit Musik aus aller Welt das Festival eröffnen. Es spielt das Chameleon Orchestra, Chor und Orchester der Landesmusikschule Enns werden neben einigen Gästen auch zu hören sein. Den Abschluss bildet am Sonntag eine Tiersegnung und ein Hörerlebnis mit Katharina Zauner an der Franziskusorgel.  


2.–4.10., Enns. Info & Anmeldung: www.franz800.at

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