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Danken nach Dürrezeiten

GLAUBENS_GUT

Angesichts der Trockenheit in den Sommermonaten stellt sich die Frage, wie man heuer Erntedank feiern kann.

Ausgabe: 38/2026
15.09.2026
- Josef Wallner, Andrea Mayer-Edoloeyi
Erntedank feiern  -  Wie gelingt das Danken für die Gaben unserer Schöpfung in Zeiten des spürbaren Klimawandels?
Erntedank feiern  - Wie gelingt das Danken für die Gaben unserer Schöpfung in Zeiten des spürbaren Klimawandels?
© © Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser

Braun war in vielen Gegenden, besonders im Osten Oberösterreichs, die beherrschende Farbe des Sommers: vertrocknete Wiesen, braune Maisfelder, schon im Juli verfärbte Blätter auf den Bäumen. Dieses Dürre-Braun bleibt als bedrohlich in Erinnerung.

 

Gießt man diesen beängstigenden Anblick in Zahlen, heißt das: Die Ernteeinbußen des heurigen Hitzesommers betragen österreichweit rund eine Milliarde Euro. Bricht man diese – belastbare – Berechnung der Österreichischen Hagelversicherung auf die einzelnen betroffenen Landwirte herunter, wird das Ausmaß der Katastrophe erst richtig deutlich: Betriebe mussten Rinder verkaufen, weil sie zu wenig Futter hatten, Einnahmen aus den geringeren Getreideernten fehlen und über allem schwebt die Angst, dass sich die Lage jederzeit wiederholen kann. 

 

Der Dank muss größer werden

 

Im kirchlichen Jahreslauf steht Anfang Oktober das Erntedankfest am Kalender. Kann man angesichts dieser Situation Erntedank wie immer feiern? Wie geht Erntedank – in manchen Gebieten – fast ohne Ernte oder mit deutlich weniger Ertrag? „Wegen der Dürre darf unser Dank nicht kleiner, sondern er muss umso größer ausfallen“, sagt der Linzer Moraltheologe Michael Rosenberger: „Denn trotz aller Ernteeinbußen haben wir noch immer genug Lebensmittel, sodass wir nicht hungern müssen.“

 

Für ihn ist das ein Weckruf: „Bis jetzt war das eigentlich außerhalb unseres Denkhorizonts, dass wir nicht genug Lebensmittel haben könnten. Aber so selbstverständlich ist das nicht, vor allem wenn Jahre wie heuer öfter wiederkehren.“  


Über den Dank hinaus sollte beim Erntedankfest hervorgehoben werden, dass wir für die Schöpfung Verantwortung tragen und dass wir auch die Landwirt:innen im Blick haben, die unmittelbar betroffen sind, ergänzt der Moraltheologe Rosenberger.  

 

Erfahrungsbericht einer Bäurin

 

In der Pfarrgemeinde Stadt Freistadt wird bei der Erntedankfeier am 4. Oktober die Mitarbeiterin des Liturgiekreises und Bäurin Elisabeth Horner als Teil der Predigt von ihren Erfahrungen aus der Landwirtschaft im heurigen Jahr berichten. Die Feier dort ist „fast ein großes Volksfest“, berichtet der Seelsorgeverantwortliche Roland Altreiter. In die Viehversteigerungshalle, wo der Gottesdienst stattfindet, ziehen auch Kinder mit ihren geschmückten Fahrrädern und Bobbycars mit ein. Bauern, Goldhauben und Blasmusik sind mit dabei. Nach dem Gottesdienst um 9:30 Uhr steht ein Frühschoppen am Programm. 

 

Erntekrone um Wasser ergänzen

 

Das zentrale Symbol einer kirchlichen Erntedankfeier ist die Erntekrone. Rosenberger schlägt vor, die Feier in diesem Jahr unbedingt um das Symbol Wasser zu ergänzen: „Wasser ist die Lebensgrundlage für alles was wächst, für Mensch und Tier.“ Mit dem Wasser steht ein positives Symbol im Mittelpunkt. Das hält Rosenberger für wichtig.  Es spannt einen weiten Bedeutungsbogen: vom Urelement jeden Lebens bis hin zur Taufe: „Das Wasser symbolisiert im Zusammenhang mit der Taufe das Eintauchen, die Eingliederung des Menschen in die Schöpfung.“ 


Vielleicht könnte man eine „Rose von Jericho“ auf den Altar stellen und während des Gottesdienstes beobachten, wie ein vertrocknetes Etwas zu neuem Leben erwacht, regt Rosenberger an. 


Genau in diese Richtung hat man auch in der Pfarrgemeinde Stadt Freistadt bei der Vorbereitung der Erntedankfeier gedacht. Diese wird unter dem Motto „Alle meine Quellen entspringen in dir“ (Psalm 87,7) stehen und die Frage nach dem Wasser mit einer Spiritualität des Vertrauens verbinden.

 

Die Quelle bzw. das aus ihr entspringende Wasser wird neben der Erntekrone symbolisch im Feierraum dargestellt. „In der Bibel ist die Quelle ein Symbol für Leben, Fruchtbarkeit und Zukunft. Wenn alle Quellen in Gott entspringen, wird Gott als der eigentliche Urgrund des Lebens verstanden“, erklärt Seelsorger Altreiter. In vielen biblischen Texten stehe die Quelle für die Hoffnung in Situationen des Mangels. So gelinge auch das Danken in einer Zeit ausbleibender Ernte. „Man beginnt zu sehen, was trotzdem alles da ist und was gelingt. Es ist ein Danke für jeden Regentropfen“, sagt Altreiter.

 

Wichtig ist ihm zu betonen, dass eine solche spirituelle Haltung mit ökologischem Handeln verbunden sein muss. Ein Beispiel dafür ist in Freistadt  das Pflanzen von mehr Bäumen – eine Initiative, in die die Pfarre stark involviert ist. 

 

Ernteausfälle sichtbar machen

 

Auch an der Erntekrone könnte man sichtbar machen, dass diesmal etwas anders ist. Vor Jahren schickte eine Reihe von Pfarren an die Kirchenzeitung Bilder von Erntekronen, an denen ein Bügel nicht geschmückt war. Der blanke Drahtbügel sollte an die Menschen in den Ländern des Südens erinnern, die – übrigens schon seit Langem – an den Folgen des Klimawandels leiden und immer wieder katastrophale Ernteausfälle zu verzeichnen haben. Aus nicht erklärlichen Gründen verschwand diese Symbolik nach und nach, doch heuer könnte sie mit Blick auf die eigene Situation wieder aufgegriffen werden. 

 

Verschwendete Lebensmittel

 

Für den Moraltheologen Rosenberger sind die heurigen Ernteeinbußen auch Anlass, wieder einmal deutlich die Problematik der Lebensmittelverschwendung anzusprechen: „Ein Drittel aller noch genießbaren Lebensmittel landet im Müll. Wenn man das mit der österreichweit rund 20 bis 25 Prozent geringeren Ernte in Beziehung setzt, liegt die Verschwendung deutlich über den Ernteausfällen.“ Für Rosenberger ist klar, dass hier die Endverbraucher:innen, die Haushalte, gefragt sind: „Die Handelsketten tun hier inzwischen viel. Auf den Handel kann man es nicht schieben. Wir müssen sorgsamer werden.“


Bei manchen Gläubigen wird die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Gebete um gedeihliches Wetter auftauchen. War der Wettersegen bei den Gottesdiensten umsonst? – „Ein magisches Verständnis hilft hier nicht weiter“, erklärt Rosenberger, meint aber, dass man die Formulierung des Messbuchs sprachlich modernisieren sollte. Entscheidend bleibt das Verständnis von Segen: „Gottes Segen heißt: Was immer kommt – ich vertraue, dass er es zum Guten führt.“ Natürlich sei es richtig, Gott sein Herz auszuschütten, um eine gute Ernte und um das tägliche Brot zu bitten: „In allem geht es aber um das Vertrauen auf Gott und die Bereitschaft, alles in seine Hände zu legen.“  

 

 

Landeserntedankfest im Linzer Mariendom 


Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich, die OÖ Bäuerinnenorganisation und die Linzer Dompfarre laden am Sonntag, 20. September, zum Landeserntedankfest ein. Um 10 Uhr feiert Bischof Manfred Scheuer im Mariendom einen Erntedankgottesdienst. Danach erwartet die 
Besucherinnen und Besucher von 11:30 bis 15 Uhr ein bäuerlicher Schmankerlmarkt auf dem Domplatz.

 

„Erntedank bedeutet, für das dankbar zu sein, was trotz aller Herausforderungen gewachsen und gelungen ist. Dankbar sind wir nicht nur für die Ernte, sondern auch für den Zusammenhalt in der Gesellschaft“, sagt Franz Waldenberger, Präsident der OÖ Landwirtschaftskammer.  

 

Bischof Manfred Scheuer betont: „Erntedank ruft zur Solidarität auf“. Erntedank bedeute Dankbarkeit und gleichzeitig Verantwortung für Menschen und Schöpfung.



 

Genügend Lebensmittel zu haben, ist nicht selbstverständlich – das machte die Trockenheit und Dürre in den Sommermonaten deutlich. 
Genügend Lebensmittel zu haben, ist nicht selbstverständlich – das machte die Trockenheit und Dürre in den Sommermonaten deutlich. 
© © Diözese Linz / Jack Haijes
© APA-Images / APA / ROLAND SCHLAGER
Die Pfarrgemeinde Stadt Freistadt stellt bei ihrer Erntedankfeier in der Viehversteigerungshalle heuer das – fehlende – Wasser in den Mittelpunkt.  
Die Pfarrgemeinde Stadt Freistadt stellt bei ihrer Erntedankfeier in der Viehversteigerungshalle heuer das – fehlende – Wasser in den Mittelpunkt.  
© Diözese Linz, Jack Haijes / APA-Images, Roland Schlager / Pfarrgemeinde Stadt Freistadt
Vielerorts spielen Kinder eine wichtige Rolle beim Erntedank. Es geht um ihre Zukunft.
Vielerorts spielen Kinder eine wichtige Rolle beim Erntedank. Es geht um ihre Zukunft.
© © Diözese Linz / Frauenkommission / Laurenz Kaiser
Landeserntedankfest
Landeserntedankfest
© LK OÖ / Primeßnig
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