Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen
Papst Franziskus (2013–2025) initiierte einen Gedenktag für die „Alltagsheiligen“. Er bat alle Diözesen, an diesem Tag besonders der Seligen und Heiligen auf ihrem Territorium zu gedenken
Unglücklicherweise fiel der Tag auf den 9. November, der hierzulande mit dem Gedenken an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 kollidiert.
Franziskus betonte: „Heiligkeit ist kein aus Anstrengung und Verzicht bestehendes Programm, sie ist keine ,geistliche Gymnastik‘, nein, sie ist etwas anderes. Sie ist vor allem die Erfahrung, von Gott geliebt zu sein, seine Liebe, seine Barmherzigkeit zu empfangen, ohne Gegenleistung.“
Für ihn waren Heilige „kostbare Perlen“ und „ein faszinierender Kommentar zum Evangelium“ – somit Botschafterinnen und Botschafter des christlichen Glaubens, der lebens- und alltagstauglich und alltagsrelevant geworden ist. Eben gelebtes Evangelium.
Heilige finden sich auch in meiner Nachbarschaft. Schon in seinem 2018 erschienenen Apostolischen Schreiben „Gaudete et exsultate“ über die Heiligkeit in der Welt von heute hatte sich Franziskus für den Gedanken von den „Heiligen von nebenan“ starkgemacht.
Es ist ein sehr authentischer Franziskus-Text mit einem stark katechetischen Einschlag: „Es gefällt mir, die Heiligkeit im geduldigen Volk Gottes zu sehen: in den Eltern, die ihre Kinder mit so viel Liebe erziehen, in den Männern und Frauen, die arbeiten, um das tägliche Brot nach Hause zu bringen, in den Kranken, in den älteren Ordensfrauen, die weiter lächeln. In dieser Beständigkeit eines tagtäglichen Voranschreitens sehe ich die Heiligkeit der streitenden Kirche. Oft ist das die Heiligkeit ,von nebenan‘, derer, die in unserer Nähe wohnen und die ein Widerschein der Gegenwart Gottes sind, oder, um es anders auszudrücken, ,die Mittelschicht der Heiligkeit‘.“
Mit selig- und heiliggesprochenen Frauen und Männern weist die Kirche auf Vorbilder, Fürsprecher und Lehrmeisterinnen hin. Viele haben ihre Lieblingsheiligen. Es gibt natürlich die großen, sehr bekannten, populären und überall verehrten Heiligen. Aber auch weniger beachtete, übersehene Heilige. Ob nun prominent und allseits bekannt oder weniger bedeutend: „Wir sind alle aufgerufen, Zeugen zu sein, aber es gibt ,viele existentielle Weisen der Zeugenschaft‘.“ Damit nahm Franziskus der Heiligkeit ihren elitären Touch, der vermittelt, sie sei nur für einige wenige Auserwählte eine echte Option.
Auf „kleine Gesten“ im Alltag kommt es in seinen Augen an, um Dienste und um Opferbereitschaft. Immer wieder spricht der Papst Leser:innen in seinem Schreiben persönlich an, als säße er ihm oder ihr gegenüber: „Die Heiligkeit macht dich nicht weniger menschlich, denn sie ist die Begegnung deiner Schwäche mit der Kraft der Gnade. Im Grunde genommen gibt es, wie Léon Bloy sagte, ,nur eine Traurigkeit im Leben: kein Heiliger zu sein‘.“
Damit lande ich wieder bei der Frage auf einer Webseite, von der ich im ersten Teil dieser Serie erzählt habe: „Ich will heilig werden. Wirklich. Und du?“

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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