ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen Dialog.
Der Schweizer Benediktiner Martin Werlen, von 2001 bis 2013 Abt des Klosters Einsiedeln, ist nicht auf den Mund gefallen. Er kann sich Gehör verschaffen – mündlich wie schriftlich. Viele kennen seine Bücher oder haben ihn in Vorträgen erlebt. Seit August 2020 ist er Propst der zu Einsiedeln gehörenden Propstei Sankt Gerold im Großen Walsertal (Vorarlberg). Dort kam er auf eine ungewöhnliche Idee: Heilige vom Sockel zu holen – eine vorübergehende Aktion, die seinerzeit Aufmerksamkeit erregte, aber auch missverstanden wurde. Als werbe er für einen Bildersturm, einen ultimativen Denkmalsturz.
Während der Coronazeit hat Pater Martin im August 2020 von seinem Vorgänger Kolumban Reichlein, der als Kaplan der Schweizergarde in den Vatikan berufen wurde, die Propstei übernommen. Es war, coronabedingt, ein stiller Übergang. Feuerpolizeiliche Auflagen erzwangen bald einen kostspieligen Umbau der altehrwürdigen Anlage, die auf eine im Jahr 960 (!) gegründete Einsiedelei zurückgeht. Fluchtwege mussten eingerichtet, Stockwerke besser voneinander abgetrennt werden. Als dabei ein Zubau an die Propstei abgerissen wurde, der nicht unter Denkmalschutz stand, gab es Proteste: Wie kann man „ein so altes Haus“ einfach abreißen! Kurioserweise stammte es jedoch aus den 1970er-Jahren, der Bau wirkte nur so, „als ob“ er schon jahrhundertelang dastünde.
Bei der Renovierung mussten Heiligenfiguren aus praktischen Gründen vom Sockel genommen werden: um sie reinigen zu können, abzustauben oder zu reparieren. Dabei kam Martin Werlen die zündende Idee: Genau das wär’s – die Heiligen von den Sockeln zu holen und mitten ins Leben zu stellen! Ein Perspektivenwechsel mit Hintergedanken.
So landete etwa die Kopie des Einsiedler Gnadenbildes im ältesten Raum des Haupthauses, der zur Bügelkammer umfunktioniert worden war. Die Madonna wurde auf den Fußboden gestellt und bekam einen Besen in die Hand gedrückt: „Die Stolzen fegst du weg vom Thron“ (Silja Walter).
Eine Pietà landete zeitweise auf einem Schutthaufen vor der Propstei, wo alles abgelagert war, was im Zuge der Renovierung aussortiert und nicht mehr gebraucht wurde. Besucherinnen und Besucher konnten dem Gedanken nachgehen: Mit dem Schutthaufen meines Lebens ist es ähnlich – zerbrochene Träume, durchkreuzte Pläne, überhöhte, nicht eingeholte Ideale.
Die Aktion hat einiges ausgelöst. Auch Proteste – weil nicht alles am alten Platz blieb. Gewohnheiten ändern, Liebgewordenes, Vertrautes aufgeben – das fällt oft schwer. Aber die durchgängige Erfahrung in St. Gerold wurde: Heilige vom Sockel heben, sie mitten in unser Leben stellen, sie nicht anhimmeln, sondern auf den Boden der Realität stellen, sie gleichsam „erden“: Das bewirkt, dass aus Gipsfiguren vitale Menschen werden – „wie Du und ich“ –, die uns auch heute etwas sagen (können).
Und genau das war Martin Werlens Motiv: „Nehmen wir den Heiligen ihren Sockel. Dann werden wir sehen, dass sie uns plötzlich ganz anders etwas für unser heutiges Leben zu sagen haben.“
Buchtipp:
Heilig sein 2.0 – Christliche Lebenskunst im 21. Jahrhundert,
von Andreas R. Batlogg, Verlag Herder, 1. Auflage 2026,
192 Seiten, € 20,60 (Hardcover) oder € 13,99 (eBook)

ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen Dialog.

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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