Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen
Der stellvertretende Dekan von Westminster Abbey meinte nach Abschluss der 25 Jahre dauernden Renovierungsarbeiten: Das 20. Jahrhundert sei ein Jahrhundert des christlichen Martyriums gewesen. Der Künstler Tim Crawley achtete darauf, dass Männer wie Frauen aller Kontinente und verschiedener christlicher Konfessionen vertreten sind.
Zehn Märtyrer:innen sind also an der Westfassade der Westminster Abbey zu finden: der polnische Minoritenpater Maximilian Kolbe († 1941), der protestantische Theologe Dietrich Bonhoeffer († 1945) – beide Opfer des NS-Unrechtsregimes –, der US-amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King († 1968) und der salvadorianische Erzbischof Óscar Arnulfo Romero († 1980).
Hierzulande weniger bekannt sind die Südafrikanerin Manche Masemola († 1928), der ugandische Erzbischof Janani Luwum († 1977), die pakistanische Krankenschwester Esther John († 1960), Lucian Tapiedi († 1942) aus Papua-Neuguinea, der chinesische Pfarrer Wang Zhiming († 1973) und Großfürstin Elisabeth von Russland († 1918), eine Enkelin von Königin Victoria, die Opfer der russischen Revolution wurde.
Dietrich Bonhoeffer steht mitten unter ihnen mit aufgeschlagener Bibel – eine Botschaft für die Ökumene: Die Heilige Schrift vereint katholische, protestantische, anglikanische und russisch-orthodoxe Christen. Maximilian Kolbe und Óscar Arnulfo Romero sind inzwischen Heilige.
Der Heiligenverehrung haftet bei manchen hartnäckig der Ruf der „heidnischen Vielgötterei“ an, längst nicht nur bei protestantischen Christen.
Die Reformation lehnte mit Berufung auf die Bibel eine Rolle der Heiligen als Heilsvermittler strikt ab. Für katholische Christen sind die Heiligen Fürsprecher:innen, Schutzpatrone und Vorbilder.
Theologisch wichtig ist die Unterscheidung zwischen Anbetung und Verehrung. Angebetet wird ausschließlich Gott. Märtyrer:innen, Selige und Heilige werden verehrt.
Mir läuft es jedes Mal kalt über den Rücken, wenn in der Liturgie die Allerheiligenlitanei gebetet wird. Dabei fährt die Kirche, angefangen bei Maria, der Mutter Gottes, gleichsam ihre ganze Glaubensgeschichte auf. Die Heiligen werden als Fürsprecher oder Nothelferinnen angerufen.
Damit wird der Kreis derer, die gerade versammelt sind, geweitet: Kirche ist nicht nur die Gemeinschaft der jetzt Lebenden, sondern auch derjenigen, die ihr irdisches Leben bereits hinter sich gebracht haben. Sie ist mehr als die sichtbare, momentan etwa 1,4 Milliarden Katholiken umfassende Gemeinschaft.
Die spirituelle Verbundenheit aller Getauften als Glieder am Leib Christi, der verstorbenen ebenso wie der lebenden, wird damit ausgedrückt: Kirche als Gemeinschaft der Heiligen (communio sanctorum). Paulus nennt die Adressaten seiner Briefe in verschiedenen kleinasiatischen Gemeinden „die Geheiligten in Jesus Christus, die berufenen Heiligen“
(1 Korinther 1,2) – eine Anrede, die zeigt, was die Zugehörigkeit zu Jesus von Nazareth bewirkt. Zumindest, wie sie ursprünglich gedacht ist.
Buchtipp:
Heilig sein 2.0 – Christliche Lebenskunst im 21. Jahrhundert,
von Andreas R. Batlogg, Verlag Herder, 1. Auflage 2026,
192 Seiten, € 20,60 (Hardcover) oder € 13,99 (eBook)

Lukas Pallitsch, Dr., PhD, ist Universitätsassistent (post-doc) am Institut für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien sowie Beauftragter der Diözese Eisenstadt für den christlich-jüdischen

Birgit Kubik, 268. Turmeremitin, berichtet von ihren Erfahrungen in der Türmerstube im Mariendom Linz. >>
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