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Größte Ruhe, größte Gefahr - Caritas hilft in der DR Kongo

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Die Demokratische Republik Kongo versinkt in einer der schwersten humanitären Krisen. Über 26 Millionen Menschen leiden an Hunger. Die Caritas OÖ hilft. Direktor Stefan Pimmingstorfer war kürzlich vor Ort.

Ausgabe: 35
25.08.2026
- Andrea Mayer-Edoloeyi
Caritas-Direktor Stefan Pimmingsdorfer (links) freut sich mit den Menschen in der DR Kongo über Erfolge eines  Landwirtschaftsprojekts.
Caritas-Direktor Stefan Pimmingsdorfer (links) freut sich mit den Menschen in der DR Kongo über Erfolge eines Landwirtschaftsprojekts.
© THOMAS STIMMEL

Herr Pimmingstorfer, Sie sind in ein Land gereist, das für viele Europäer:innen nur aus Katastrophenmeldungen besteht. Welches Bild nehmen Sie persönlich mit nach Hause?


Stefan Pimmingstorfer: Besonders beeindruckt hat mich die unbändige Motivation der Menschen. Wie jemand mit wenig oder nichts es immer wieder versucht, es selbst zu schaffen – und wie schwierig es den Menschen gemacht wird. Die Menschen in der DR Kongo kämpfen um ihr Leben, um eine Zukunft.

 

Ein Thema, das aktuell besonders sorgt, ist der neue Ebola-Ausbruch mit über 2.000 Toten.


Pimmingstorfer: Wir waren nicht im unmittelbaren Ausbruchsgebiet von Ebola unterwegs, das rund 2.000 Kilometer von unserem Reiseziel entfernt liegt. Die Caritas der DR Kongo ist in allen Landesteilen tätig. Wir haben mit ihr und anderen Partner:innen eine jahrzehntelange vertrauensvolle Kooperation. Das sind Partnerschaften auf Augenhöhe mit Expert:innen, die ihr Land und die Bedürfnisse ihrer Leute am besten kennen. 


Bei der Bewältigung der Ebola-Krise werden die Kirche und die Caritas eine enorme Rolle spielen, weil 45 Prozent der Gesundheitseinrichtungen von der Kirche betrieben werden. Ohne diese wäre das Land medizinisch faktisch handlungsunfähig. Die katholische Kirche genießt hohes Ansehen, weil nur sie den Menschen wirklich hilft. 
 
Fast die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren im Kongo ist chronisch mangelernährt. Ein Schwerpunkt Ihrer Reise waren die Ernährungszentren in Kinshasa. Was passiert hinter den Türen dieser Stationen?


Pimmingstorfer: Dort gibt es oft eine bedrückende Stille. Wenn in einem Bereich mit vielen Kindern Ruhe herrscht, ist größte Gefahr, größter Alarm. Die Kinder sind zu schwach, um sich zu bewegen, zu schreien, sich irgendwie bemerkbar zu machen. Ich habe Babys gesehen, die an Greise erinnern, wo man wirklich nur die Knochen sieht. Genau dort wirkt Hilfe: Ich habe kennenlernen dürfen, wie man mit einem Euro einer Spende ein Menschenleben retten kann. Die Kinder werden mit einer Spezialnahrung aufgepäppelt und medizinisch betreut, bis der Oberarmumfang beim Messen wieder im „grünen Bereich“ liegt. 

 

Wie wird sichergestellt, dass die Kinder und die Familien nach der Entlassung nicht sofort wieder in große Not geraten?


Pimmingstorfer: Die Unterstützung ist nachhaltig und langfristig angelegt. 4.000 Ehrenamtliche der Caritas in Kinshasa unterstützen uns dabei.  Nach der stationären Phase im Ernährungszentrum gibt es für die ärmsten Familien eine wöchentliche Nachversorgung mit warmen Mahlzeiten und Lebensmittelpaketen. Parallel dazu schulen wir die Mütter. Sie lernen zum Beispiel, wie man Maniokwurzeln fermentiert und haltbar macht, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Die Mutter kann dann damit für sich selbst sorgen, Geld verdienen und auch wieder das Kind versorgen. 

 

Auf Besuch in einem Ernährungszentrum in der Hauptstadt Kinshasa ...
... und bei einem Brunnenprojekt in Kikwit.
Brunnenprojekt in Kikwit
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Im Kongo haben nur knapp 36 Prozent der Menschen Zugang zu sauberem und sicherem Trinkwasser. In Carrefour haben Sie ein Brunnenprojekt besucht. Was macht dieses Projekt anders als staatliche Bohrungen, die oft schnell verfallen, wenn ein Ersatzteil fehlt?


Pimmingstorfer: Der entscheidende Punkt ist die Eigenverantwortung. Wir finanzieren die Grundinvestition, aber den laufenden Erhalt organisieren die Menschen vor Ort über Kleinkreditvereine. 


In Carrefour hat das Dorfkomitee durch den Verkauf des Wassers zu Kleinstbeträgen bereits 1.000 US-Dollar für Reparaturen angespart. Bei Wasserprojekten geht es aber auch um die Entlastung der Frauen. Oft müssen Frauen bei dieser Hausarbeit über kilometerweite, steile Pisten mit 25-Liter-Kanistern auf dem Kopf gehen. 


In Österreich leiden wir zunehmend unter Hitzeperioden. In Landwirtschaftsprojekten fördert die Caritas „klimaresiliente“ Methoden. Können wir hierzulande etwas von der DR Kongo lernen?


Pimmingstorfer: Absolut. Von der Motivation der Menschen kann man sich einiges abschauen. Besonders beeindruckt hat mich die Solidarität. Bauernvereinigungen unterstützen sich gegenseitig. Die Menschen dort haben verstanden, dass es nur miteinander gelingen kann.


Praktisch setzen wir bei Projekten auf Mischkulturen und Agroforstwirtschaft. Da pflanzt man etwa Akazien zwischen die Feldfrüchte; deren Blätter dienen als natürlicher Mulch und die Wurzeln reichern den Boden mit Stickstoff an. 

 

Was entgegnen Sie Menschen, die angesichts steigender Armut in Österreich fordern, die Caritas solle nur „im eigenen Land helfen“?


Pimmingstorfer: Wir sind als Caritas für alle da. Wir helfen im Inland wie im Ausland – dort, wo die Not am größten ist. Hinter jeder Zahl steht ein Mensch – in Oberösterreich oder in Afrika. Für uns ist das kein Entweder-oder. Auch in unserem Land gibt es wachsende Armut und Existenzängste. In unseren Sozialberatungsstellen unterstützen wir armutsbetroffene Menschen, dass sie zu ihrem Recht kommen, und bieten Nothilfe. In der DR Kongo gibt es so etwas wie einen Sozialstaat gar nicht, da braucht es andere Ansätze für nachhaltige Hilfe. 

 

Zum Abschluss: Die staatlichen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wurden zuletzt gekürzt. Wie sehr schmerzt das?


Pimmingstorfer: Man darf die internationalen Gelder für Entwicklungszusammenarbeit nicht reduzieren. Wer kürzt, riskiert die Zerstörung mühsam aufgebauter Strukturen. Bei unseren Projekten in der DR Kongo sind die öffentlichen Gelder vergleichsweise gering, doch jeder Euro zählt. So hat das Land OÖ im Jahr 2013 eine Solaranlage für den Betrieb eines Brunnens bei einem Gesundheits- und Ernährungszentrum mitfinanziert. Diese funktioniert bis heute noch und es gibt sauberes Wasser für schwerkranke Kinder und gebärende Frauen. 

 

Bei meiner Reise in die DR Kongo konnte ich mich davon überzeugen, dass die Hilfe unserer Spender:innen dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Wenn Menschen spenden, dann spenden sie für das Leben und die Zukunft der Menschen.

 


Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Caritas OÖ, die für Projekte in der DR Kongo Spenden sammelt. 
Infos: www.caritas-ooe.at

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