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Was glauben Sie eigentlich: Was ist ein „Katechon“?

GLAUBENS_GUT

Manchmal schafft es auch das Griechische noch in die Medien. Spätestens seit Peter Thiel, der Kreml-Ideologe Alexander Dugin und der AfD-Politiker Maximilian Krah das „Katechon“ entdeckt haben. Was hat es damit auf sich?

Ausgabe: 35/2026
25.08.2026
- Michaela Quast-Neulinger
In der Bibel kommt der Begriff nur einmal vor.
In der Bibel kommt der Begriff nur einmal vor.
© Tep Ro auf Pixabay

Im Neuen Testament taucht der Begriff nur im 2. Thessalonicherbrief 2,1–8 auf, als „Aufhalter“ bzw. „Aufhaltendes“. Dieses hält den Antichristen zurück, bis am Ende Christus wiederkehrt.

 

Im Kontext der ersten Christengemeinde war mit dem „Katechon“ auch das Römische Reich gemeint, das zumindest eine gewisse Rechtsordnung bot. Doch das Römische Reich ist nicht das Reich des Friedens, das Christus verheißt.

 

Das „Katechon“, das das Böse für eine Zeit zurückhält, ist nur eine Notlösung und mahnt Christ:innen, dass jede irdische Ordnung vorläufig ist und immer wieder in Gewalt umschlägt.

 

Das Böse sind die Anderen

 
Heute nutzen Thiel, Dugin und Co. den Begriff des „Katechon“, um ihre autoritären Politikvorstellungen als „christlich“ zu legitimieren. Man sieht sich als wahre Erben des „Römischen Reichs“, als die echten Kaiser, die das Böse aufhalten. „Gott will es.“

 

Der russische Philosoph Alexander Dugin macht deutlich, worum es in der Ukraine gehe: „Wir Russen brauchen die Ukraine nicht, Christus braucht sie. Und darum sind wir hier“. Russland sei das Katechon gegen den Antichristen, die Ukraine das Schlachtfeld der Endzeit.


Der AfD-Politiker Maximilian Krah feiert Donald Trump als „Katechon“. Und Peter Thiel ist flexibel, wer ihm als Katechon dient. Auf keinen Fall die katholische Kirche unter Papst Franziskus – zu liberal, zu sehr am Weltfrieden orientiert.

 

Mit Papst Leo ist er öffentlich noch zurückhaltend. Doch soll er Leo für den Antichristen halten, der mit China gemeinsame Sache macht.

 

Im Angesicht dieser Abgründe bleibt man als Theologin manchmal sprachlos. Doch mit diesem Humbug werden Menschenleben vernichtet.

 

Friede statt Kampf

 
Halten wir es mit der Schrift: Niemand weiß die Stunde, niemand den Tag der Wiederkehr Christi. Im Raum zwischen dem Leben Jesu auf Erden und der erwarteten Wiederkehr Christi leben wir und treffen Entscheidungen.

 

In diesem Zwischenraum ist niemand eindeutig gut oder böse. Aber wir sind dazu aufgerufen, Verantwortung zu übernehmen, damit Friede, Freiheit und Gerechtigkeit wachsen können, in Liebe, ohne Kampf.

Michaela Quast-Neulinger
Michaela Quast-Neulinger
© Privat
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