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Mit der Brille der Synodalität

WELTKIRCHE_

Die Synodalität soll einen Kulturwandel in der Kirche anstoßen. Eine Europa-
Tagung in Oberösterreich sucht nach Wegen dorthin. 

Ausgabe: 38/2026
15.09.2026
- Josef Wallner
Die runden Tische – hier bei der Synode in Rom – sind das Markenzeichen der Synodalität.
Die runden Tische – hier bei der Synode in Rom – sind das Markenzeichen der Synodalität.
© APA-Images / AP / Alessandra Tarantino

Von Montag, 14. bis Donnerstag, 17. September, gibt sich die katholische Kirche Europas im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels ein Stelldichein: Delegationen von 28 der 39 europäischen Bischofskonferenzen, darunter 23 Bischöfe und zwei Kardinäle, insgesamt 187 Teilnehmer:innen sind zu einer Tagung über die Stärkung der Synodalität in den Kirchen Europas gekommen. Fachleute aus der Ukraine, Schottland und Zypern waren ebenso dabei wie aus Albanien, Moldau und Lettland. 


Unter dem Begriff der Synodalität hat Papst Franziskus ein Reformvorhaben angestoßen, das die gesamte katholische Kirche erneuern soll: Gemeint ist damit die Einbeziehung aller Gläubigen in kirchliche Entscheidungen. Es soll gemeinsam beraten, aufeinander gehört und miteinander entschieden werden.

 

Auf den beiden Synoden im Oktober 2023 und 2024 wurde von hunderten Delegierten aus aller Welt allgemein umrissen, wie die Kirche zu neuer Lebendigkeit kommen und ihren Auftrag der Missionierung aller Menschen besser erfüllen kann. Papst Leo XIV. hat dieses Reformprojekt, das eine neue Weise des Umgangs miteinander verwirklichen soll, von seinem Vorgänger übernommen. Jetzt geht es darum, für alle Kontinente Schritte der Umsetzung zu erarbeiten. Für Europa wird das im Bildungshaus Schloss Puchberg vorbereitet. 

 

Führend in der Synodalität

 

Das Symposium wird von der Abteilung für Synodalität an der Katholischen Privat-Universität Linz organisiert, der die Pastoraltheologin Klara Csiszar vorsteht. Die Europäische Expertengruppe des Rates der europäischen Bischofskonferenzen, der Csiszar ebenfalls angehört, ist der zweite Mitveranstalter. Wenn Ende Oktober die europäischen Bischofskonferenzen in Salzburg tagen, sollen dort die Ergebnisse von Puchberg präsentiert und ein Weg (eine „Roadmap“) für die Schritte in die Zukunft aufgezeigt werden. Die Linzer Pastoraltheologin Klara Csiszar ist führend in Fragen der Synodalität und hat mit der europaweit einzigartigen Gründung der Abteilung für Synodalität eine Pionierfunktion zu diesem Thema übernommen. Bei ihr laufen die Fäden des Symposiums zusammen. 

 

Die Krisen Europas

 

Die drei Arbeitstage im Bildungshaus Schloss Puchberg beschäftigen sich mit der Liturgie und deren Anspruch, die Welt zu verwandeln. Weiter steht ein Blick auf die Realitäten Europas – auf Krieg, Migration und Polarisierung – auf dem Programm. Und schließlich geht es um Strukturen, Ämter und Entscheidungsprozesse in der Kirche. „Da bekommt man eine Vorstellung davon, was sich in der Kirche ändern kann, wenn alle aus der gleichen Würde als Getaufte leben“, betont Csiszar: „Synodalität ist kein Extra, das zu den verschiedenen Aktivitäten in der Kirche noch dazukommt, sondern sie ist vielmehr eine Brille, durch die man auf das gemeinsame Unterwegs-sein schaut.“

 

Nach dem Treffen in Puchberg und Salzburg folgen weitere Zusammenkünfte. Csiszar zeigt den Zeithorizont auf: „In drei Jahren wird sich sagen lassen, ob sich etwas geändert hat.“ Für den gesamten synodalen Prozess brauchte es bereits einen langen Atem. Man wird ihn weiterhin benötigen, wenn man bedenkt, dass Papst Franziskus diesen Prozess 2021 eröffnet hat. 

 

Kirche und Frauen

 

Bischof Manfred Scheuer beschreibt bei der Vorstellung des Puchberger Tagungsprogramms Synodalität „als geistliche Haltung, als neue Form Kirche zu sein. Diese ist das Gegenteil einer Gesellschaft, in der jeder in seiner Blase sitzt und sich über die Meinung der anderen ärgert.“ Im Blick auf die Synodalität betont er, dass es „in der Kirche nur im Miteinander geht“ und dass vor allem „die Frauen nicht vergessen werden dürfen. Sie tragen in den Pfarren, in der Caritas den größten Teil der Arbeit. Das muss gesagt und anerkannt werden. Ihre Frage nach mehr Beteiligung wird in Österreich mit Nachdruck gestellt und ist mit dem Ende der Weltsynode nicht beantwortet. Eine fertige Antwort habe ich nicht. Kein Verständnis habe ich dafür, dass wir so tun, als gäbe es die Frage nicht.“

 

Scheuer weist mit Nachdruck darauf hin, dass Synodalität nicht der Selbsterhaltung der Kirche dient und dass „Kirche auch an Orten gelebt wird, wo nicht das Pickerl ‚Kirche‘ draufklebt. Der Kern bleibt die Begegnung mit Christus.“ Scheuer kündigt eine größere kirchliche Österreich-Versammlung im Herbst 2027 an.

 

Dezentralisierung

 

Kardinal Ladislav Nemet SVD ist Erzbischof von Belgrad und ein Brückenbauer zwischen Ost und West: „Beide Seiten haben einander etwas zu geben, aber beide hören einander zu wenig zu.“ Als Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen ist ihm die Umsetzung der Dezentralisierung, wie sie in einer synodalen Kirche Platz haben muss, ein besonderes Anliegen. Er plädiert für eine Stärkung der Rolle der einzelnen Bischofskonferenzen, für Inkulturation in der Liturgie und für mehr Macht des Volkes Gottes bei der Wahl neuer Bischöfe: „Rom kann nicht die Denkfabrik für die Kirche in der ganzen Welt sein.“ 

 

Am Weg erkennen

 

Der Erzbischof von Luxemburg, Kardinal Jean-Claude Hollerich, zählt zu den gewichtigen  Stimmen der katholischen Kirche in Europa. Auch er ist in Puchberg anwesend. Die beiden Synoden über die Synodalität 2023 und 2024 ließen in der Kirche Neues wachsen, ist er überzeugt: „Menschen aus allen Kontinenten haben einander zugehört, gemeinsam gebet und gemeinsam unterschieden. Alle Gläubigen tragen Verantwortung für die Sendung der Kirche.“ Auch wenn noch nicht klar ist, wohin die Kirche gehen wird, ist er überzeugt: „Die Lösung wird sich auf dem Weg zeigen, wenn wir miteinander unterwegs sind.“ 

 

 

 

Zum Foto:

Kardinal Ladislav Nemet SVD (von links), Univ.-Prof. Klara A. Csiszar, Bischof Manfred Scheuer und Kardinal Jean-Claude Hollerich SJ stellten unter der Moderation von Hermine Eder (KU Linz) das Programm des Europa-Symposiums im Bildungshaus Schloss Puchberg vor.    

© © Diözese Linz / Johannes Kienberger
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Beate Mayerhofer-Schöpf ist Theologin und Referentin für Spiritualität im  Pastoralamt der Erzdiözese Wien.

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