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Weltreise nach Krumbach - Serie Land der Kapellen Teil 5/6

GLAUBENS_GUT

Drei Jahre lang reiste Carmen Hantsche mit ihrem Mann und ihrem Motorrad um die Welt. 2003 ließ sich das Paar im Bregenzerwald nieder. Bei der Neuerrichtung der Lourdeskapelle in Krumbach waren sie dabei.

Ausgabe: 31/2026
28.07.2026
- Monika Slouk
Kapelle am Waldrand
Kapelle am Waldrand
© Slouk

Carmen Fink ist in Krumbach im Bregenzerwald aufgewachsen. Von dort zog es sie hinaus in die Welt. 2003 kam sie nach Krumbach zurück, hieß mittlerweile Carmen Hantsche. Da hatte sie gerade eine dreijährige Weltreise auf dem Motorrad hinter sich, gemeinsam mit ihrem Mann Frank, der aus Sachsen kommt. „Unsere Idee war, zu arbeiten, Geld zu sparen und danach wieder auf Reisen zu gehen“, blickt Carmen Hantsche zurück. Sie begann also, in der Buchhaltung der Gemeinde Krumbach zu arbeiten. Die Jahre vergingen, ein Sohn wurde geboren. Die kreativen Projekte in Krumbach wurden unter dem damaligen Bürgermeister Arnold  Hirschbühl immer intensiver. Carmen Hantsche beteiligte sich gern daran. Mit dem Bus:Stop-Projekt wurde Krumbach international bekannt. Sieben Architekten mit Gespür für Skulptur gestalteten die sieben Buswartehäuschen, die in der Gemeinde liegen, neu. Etwa zur gleichen Zeit bündelten sich im geschichtsträchtigen 1000-Einwohner-Dorf Krumbach die Kräfte für den Neubau einer Lourdeskapelle. Das Holz der Lourdeskapelle aus dem Jahr 1880 zerfraßen Insekten langsam, aber sicher, und machten die Kapelle unrenovierbar.

 

Die Kraft einer guten Idee


Das Leben und die interessanten Projekte bewirkten, dass Carmen und Frank Hantsche in Krumbach sesshaft wurden. Vor genau zehn Jahren wurde die neue Kapelle im Ortsteil Salgenreute fertiggestellt. Bis dahin war es aber ein langer Weg. „So ein Projekt ist nur möglich, wenn viele an einem Strang ziehen“, resümmiert die Krumbacherin. „Es braucht Begeisterung für die Idee und eine gute Organisation.“ Als der renommierte Architekt Bernardo Bader, der in Krumbach wohnt, von dem Vorhaben erfuhr, bot er sich an, Planung und Bauleitung kostenlos zu übernehmen. Das Kapellenbau-Team setzte sich schließlich aus vielen unterschiedlichen Personen zusammen. Gemeinsam entwickelte man das Projekt und setzte es um. „In der Nachbarschaft lebte Erna“, erzählt Carmen Hantsche eine der vielen Entstehungsgeschichten. „Sie war über 80 Jahre alt, aber mit Begeisterung dabei. Als sie einen Entwurf sah, sagte sie: ‚Ich bezahle die Kirchenbänke. Aber nur, wenn man darauf auch knien kann‘.“ So trug sie zur jetzigen Gestalt der Kapelle Salgenreute bei. 


Die Kraft des Materials und der Form


Wer die Kapelle betritt, wird von einer Atmosphäre der Ruhe und Schlichtheit empfangen. Der Duft im Raum unterscheidet sich von jenem in gemauerten Kapellen. Die Kapelle Salgenreute wurde mit Holz aus der Umgebung gebaut. Außen hüllen sie kleine Schindeln aus Lärchenholz ein, wie es bei den Bauernhäusern im Bregenzerwald üblich ist. Das Holz ist in den zehn Jahren seit der Fertigstellung stark nachgedunkelt und gibt dem Bau eine markante Ausstrahlung. Drinnen herrscht eine fast überwältigende Einfachheit. Der symmetrische Innenraum bietet den von Bildern, Geräuschen und Geschwindigkeit überladenen Menschen des 21. Jahrhunderts eine Art Schutzraum. Dennoch riegelt er den Blick nicht von der Außenwelt ab, im Gegenteil. Nach vorne, durch den Madonnenraum, öffnet ein hohes Fenster den Blick in die Umgebung. Und auch hinten, neben der schweren, messingbeschlagenen Tür, geben zwei raumhohe, schlanke Fenster den Durchblick nach draußen frei.

 

Eine nützliche Geheimtür


Von der ursprünglichen Kapelle sind die Madonnenstatue und die Wetterglocke erhalten und in die neue Kapelle integriert. Im Mai wird das außergewöhnliche Gotteshäuschen mit Blumen geschmückt, den Rest des Jahres wirkt allein die schlichte Würde des Materials und der Form. Wie es auch bei der alten Kapelle üblich war, werden in Salgenreute Maiandachten gefeiert. Andrea Flatz bereitet sie vor und leitet sie – sie gehört zu einer benachbarten Familie, die sich schon um die Vorgängerkapelle gekümmert hat. Manchmal werden Hochzeiten hier gefeiert. Und grundsätzlich steht die Tür allen offen, die vorbeikommen und Ruhe suchen. Das heißt – offen steht sie nicht, sondern hält Wind und Insekten draußen. Aber abgesperrt ist sie nie, das ist dem kleinen Verein wichtig, der sich um die Erhaltung der Kapelle kümmert. Dazu gehört auch Carmen Hantsche. In unregelmäßigen Abständen spaziert oder radelt sie herüber zur Kapelle, um nach dem Rechten zu sehen. Auch Michaela Bader, die Frau des Kapellenarchitekten, beteiligt sich an diesem Dienst. „Einmal im Jahr reinigen wir den ungehobelten Holzboden mit Wasser, Bürsten und Schmierseife. Es erstaunt mich immer wieder, wie schön der Boden durch das Bürsten wird“, sagt Carmen Hantsche. Für die kleine Reinigung zwischendurch hat Bernardo Bader mit einer Geheimtür vorgesorgt. Ohne aufzufallen, verbergen sich dahinter Besen und Putzuntensilien. „Wasser zum Putzen bringt uns ein Bauer in Milchkannen, Stromanschluss gibt es keinen.“ Das gehört zur Schlichtheit, wie der Jaucheduft, der hin und wieder um die Kapelle weht.  

 

Die Kapelle Salgenreute in Kürze


geplant von Bernardo Bader, Vollendung 2016
gebaut anstelle einer baufälligen Kapelle 
wie die Vorgängerin eine Lourdeskapelle
in Krumbach, Bregenzerwald, Vorarlberg  

 

Land der Kapellen

 

Die Bundeshymne lobt Österreich als Land der Dome. Österreich ist aber auch ein Land der Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze. Die privaten „Gotteshäuschen“ bestehen nur, weil Menschen sie hegen und pflegen. Warum sie das tun, erzählt die 6-teilige Sommerserie der österreichischen Kirchenzeitungen.
 

Wer in der Kapelle Salgenreute in Krumbach/Vorarlberg betet oder eine Maiandacht mitfeiert, sieht durch ein großes Fenster in die Umgebung hinaus.
Wer in der Kapelle Salgenreute in Krumbach/Vorarlberg betet oder eine Maiandacht mitfeiert, sieht durch ein großes Fenster in die Umgebung hinaus.
© Slouk (4)
Holzschindeln bilden die Außenhaut der Kapelle Salgenreute, nach Bregenzerwälder Tradition.
Holzschindeln bilden die Außenhaut der Kapelle Salgenreute, nach Bregenzerwälder Tradition.
Sägeraues Weißtannenholz aus der Region sorgt für eine ruhige Atmosphäre in der Kapelle. Vorne im Madonnenraum ist es weiß gestrichen.
Sägeraues Weißtannenholz aus der Region sorgt für eine ruhige Atmosphäre in der Kapelle. Vorne im Madonnenraum ist es weiß gestrichen.
Carmen Hantsche ist seit dem Bauprojekt mit der Kapelle Salgenreute verbunden.
Carmen Hantsche ist seit dem Bauprojekt mit der Kapelle Salgenreute verbunden.
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