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Ein schlechter Tag im Büro, eine hitzige Diskussion oder eine Meinungsverschiedenheit unter Kolleg:innen – das kennt fast jede:r. Doch was passiert, wenn aus einem Konflikt ein System der Schikane wird? Der Begriff „Mobbing“ fällt heute schnell, dabei steckt eine ernste Dynamik dahinter, die Leben zerstören kann.
Die Mobbingberaterin Susanne Lew beobachtet, dass viele Menschen „gleich mal glauben, sie werden gemobbt“. Entscheidend ist jedoch die Abgrenzung zum normalen Konflikt. Während Konflikte aus unterschiedlichen Interessen entstehen – etwa bei der Urlaubsplanung –, richtet sich Mobbing gezielt gegen eine Person. Mobbing ist laut Lew kein einmaliges Ereignis, sondern wiederholtes Verhalten über längere Zeit mit dem Ziel, jemanden fertigzumachen: „Es entsteht ein Machtungleichgewicht, das für die Betroffenen allein oft nicht mehr zu bewältigen ist.“
Susanne Lew, erfahrene Mobbingberaterin, sieht hinter dem Anstieg von Konflikten und Schikanen tiefgreifende Fehlentwicklungen in der Unternehmenskultur und im Management. Oft seien es äußere Umstände, die den Druck in einem Team so stark erhöhten, dass Ventile gesucht würden, schildert Susanne Lew. „In der Arbeitswelt sind Zeitdruck, Einsparungen, drohende Kündigungen und Ähnliches der Nährboden für Konflikte und für Mobbing.“ Besonders in einer zahlengetriebenen Unternehmenskultur, in der nur die Effizienz zählt, bleibe das Zwischenmenschliche oft auf der Strecke. Wenn Ressourcen gekürzt werden, steige die psychische Belastung der Einzelnen. Wenn Mitarbeiter:innen nur noch wie Zahnräder funktionieren müssen und etwa in Banken oder im Handel unter dem Zwang stehen, Kund:innen Produkte „aufzuschwatzen“, die diese gar nicht wollen, gehe die Authentizität verloren. In einem solchen Klima wachse die psychische Belastung und es entsteht laut Lew oft „dieses Bedürfnis, dann jemand anderen schlechtzumachen, um mich besserzustellen“.
Wie fängt Mobbing an? Oft ganz harmlos. Ein kleiner Scherz, über den alle lachen – außer einer Person. Ein klassisches Muster sei das Reden hinter dem Rücken. Lew berichtet von Beobachtungen in Betrieben, in denen Kolleg:innen zum Rauchen auf die Toilette gehen und dann dort „die anderen Kolleginnen durch den Dreck ziehen“. Ein weiteres Problem sind unklare Strukturen. Wenn nicht genau geregelt ist, wer wen vertritt oder wer welche Aufgaben hat, entstünden Reibungspunkte, die in Schikane umschlagen können. Solche Situationen führten dazu, dass die betroffene Person ihre Authentizität verliert und vor lauter Angst, Fehler zu machen, erst recht Fehler begeht.
„Mobbing ist kein privates Problem, sondern eine Form von Gewalt“, betont Susanne Lew. Die Folgen von Mobbing seien massiv und beträfen sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit. Oft hört die Beraterin von Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Rückenproblemen als Auswirkung von Ausgrenzung und Demütigung.
Um die Spirale des Mobbings zu durchbrechen, gibt es konkrete Strategien für alle Beteiligten:
Betroffenen sagt Mobbingberaterin Susanne Lew zu allererst: „Reden statt Schweigen! Wichtig ist, das alles nicht allein auszuhalten.“ Je nach Situation helfen der Betriebsrat, die Arbeiterkammer oder spezielle Beratungsstellen wie das Mobbingtelefon der Diözese Linz, für das Susanne Lew gemeinsam mit anderen ausgebildeten Berater:innen tätig ist. Sie rät auch, die Schikanen zu dokumentieren. In einem Mobbing-Tagebuch kann man Datum, Uhrzeit, Vorfälle und Beteiligte genau notieren. Das dient als wichtiges Beweismittel in Arbeitsrechtsverfahren.
Kolleg:innen spielen eine Schlüsselrolle beim Mobbing. „Oft schauen viele weg, weil sie Angst haben, selbst ins Visier zu geraten, oder weil sie schlicht überlastet sind“, berichtet Lew und fordert auf, Zivilcourage zu zeigen und nicht mitzumachen bei Lästereien und dem allgemeinen „Sudern“ über Kolleg:innen. Ein einfaches „Hey, hört auf damit“ oder „Was ist denn hier los?“ in einer Mobbingsituation kann die Dynamik sofort stoppen.
Auch sei es wichtig, dass Kolleg:innen den Opfern signalisieren: „Ich sehe, was hier passiert, und ich finde es nicht richtig.“
Entscheidungsträger:innen in Unternehmen rät Susanne Lew, die gesetzlich verankerte Fürsorgepflicht ernst zu nehmen. Die Verantwortung für ein gesundes Arbeitsklima liege ganz oben. Dabei helfen klare Strukturen und dass eine Führungskraft auch wirklich sofort reagiert, wenn ein:e Mitarbeiter:in ein Problem anspricht. „Mobbing kostet das Unternehmen Geld durch lange Krankenstände und sinkende Leistungsfähigkeit“, erklärt Susanne Lew.
Susanne Lew ist am Ende überzeugt: „Wertschätzung und Anerkennung sind die Schlüssel für gute Arbeit.“ Ein respektvoller Umgang, ein ehrliches „Guten Morgen“ und die Anerkennung der Leistung seien die besten Mittel gegen Mobbing, denn dieses kann nur dort gedeihen, wo die Menschlichkeit den Zahlen geopfert wird.
Konflikt- und Mobbingberatung der Diözese Linz:
Telefonisch jeden Montag (außer Feiertag), 0732 7610 3641,
online www.mobbingtelefon.at
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