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LEBENS_WEISE

Sommer, das steht für viele für Ferien, Sonne, Unbeschwertheit und nicht zuletzt für Musik genießen unter vielen anderen Menschen. Freiluftkonzerte und Festivals üben eine ganz besondere Magie aus.

Ausgabe: 30/2026
21.07.2026
- Judith Moser-Hofstadler
Große Musikveranstaltungen im Freien – viele Menschen auf einem Platz, die alle das gleiche wollen: Musikhören, Tanzen, idealerweise ohne Pflichten und Rollen.
Große Musikveranstaltungen im Freien – viele Menschen auf einem Platz, die alle das gleiche wollen: Musikhören, Tanzen, idealerweise ohne Pflichten und Rollen.
© KAD / Oliver Erenyi

Tausende Menschen stehen vor großen Bühnen, lauschen der Musik, tanzen oder wippen mit und manchmal singen alle Zuhörer:innen im Chor mit. Überall im Land verwandeln sich jedes Jahr im Sommer Wiesen, Plätze oder Stadien in große Freiluftbühnen.


Und wer sich vom Flair eines solchen Ereignisses einmal mitreißen lassen hat, weiß, dass es ein ganz besonderes, sehr positives Gefühl sein kann.

 

Musik verbindet


Mitten unter Tausenden fremden Menschen sind sich alle  irgendwie einig. Der kleinste gemeinsame Nenner ist die Begeisterung für die Musik, die genau an diesem Ort zu dieser Zeit dargeboten wird.


Musik spielt dann noch eine eigene Rolle: Wir bemühen beim Zuhören und Tanzen nicht in erster Linie unseren Verstand, sondern sie berührt uns idealerweise im Herzen. Auch „ernste“ Musik wie Opern oder klassische Konzerte spricht nicht nur den Kopf, sondern auch unsere Gefühle an.
Manchmal spüren wir Musik ja sogar körperlich, und damit sind nicht nur die Bässe gemeint, die aus riesigen Lautsprechern tönen, sondern das sprichwörtliche Gefühl „im Bauch“.

 

Zusammengehörigkeit


Konzerte und Festivals sind natürlich mehr als nur die musikalische Darbietung. Schon vor dem Start kann die Vorfreude beim Ankommen der Menschen ein Gefühl der Gemeinsamkeit unter Fremden bewirken. Seit Menschengedenken gibt es große gemeinsame Feiern. Das ist nicht ohne Grund auch ein wichtiger Bestandteil aller Glaubensrichtungen. Gemeinsam zu feiern, stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl.


Im Buch „Was wir meinen, wenn wir Hoffnung sagen“ vom Oekom-Verlag drückt das der Sänger der deutschen Band „Querbeat“, Jojo Berger, so aus: „Ob Karneval, Raves oder Festivals: Überall wird die Ordnung des Alltags aufgehoben. Für ein paar Stunden gelten andere Regeln: keine Pflichten, keine Rollen, kein Status.“ 


Der Traum der idealen Gesellschaft also! Gemeinsam zu feiern, ist ein Ventil, bei dem soziale Rangordnungen aufgehoben sind und Gemeinschaft gelebt werden kann, auch wenn alle wissen, dass dieser Moment nicht anhält.
Für Jojo Berger ist dieser Zustand auch ein Ausdruck von Hoffnung, nämlich darauf, dass wir gemeinsam alle Krisen überwinden können, die uns im Alltag beschäftigen und die uns pessimistisch stimmen.

 

Schattenseiten


Natürlich gelingt es auf Festivals, die mehrere Tage dauern, nicht ständig, den Alltag hinter sich zu lassen. Und so kann es passieren, dass sich Besucher:innen unter Tausenden von Menschen einsam fühlen. Wenig Schlaf, laute Musik, viel Wirbel unter vielen Menschen, die vielleicht noch dazu zu viel Bier getrunken haben und herumgrölen. Vom Streit unter Freund:innen bis hin zu sexualisierter Gewalt – Festivals haben auch ihre Schattenseiten. Die Gefühle, die manche im Alltag haben, können da sogar verstärkt ans Tageslicht kommen.


Genau da setzt die Festivalseelsorge an, die es österreichweit gibt und die jedes Jahr an mehr Veranstaltungen im Einsatz ist. Rock- oder elektronische Musik und Seelsorge – was auf den ersten Blick nach Widerspruch klingt, ist inzwischen ein bewährtes Angebot, das von Veranstalter:innen gerne angenommen wird.

 

Seelsorge vor Ort


Die Seelsorger:innen arbeiten eng mit Polizei, Feuerwehr und Rotem Kreuz zusammen und ergänzen deren Arbeit. 


In Österreich ist dies ein Angebot der Initiative „Denk dich neu“ der katholischen Kirche, gemeinsam mit Katholischer und Evangelischer Jugend. 
Es sind nicht immer dramatische Geschichten, die die Seelsorger:innen hören. Manchmal ist schon ihr ruhiges, schattiges Zelt für den Moment genau die richtige Wohltat, um danach weiterzufeiern und sich in der Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen. 

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