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Bis vor einigen Jahrzehnten gehörte es zur Allgemeinbildung (für Mädchen), Kleidung und Wäsche ausbessern zu können. Diese war zu wertvoll, um sie wegen kleiner Löcher zu entsorgen. Mit der Massenproduktion von Textilien ist diese Fertigkeit weitgehend verloren gegangen.
Die Mode änderte sich immer schneller, mit allen Nachteilen, die wir heute sehen.
In der EU kauft jede Person im Durchschnitt 19 Kilogramm Textilien im Jahr (Stand: 2022), das ist ein großer Koffer voll. Gleichzeitig werden pro Kopf und Jahr 12 Kilogramm Kleidung entsorgt.
Seit Ende Juli ist es verboten, neue Kleidung und Schuhe, die in Geschäften nicht verkauft wurden, als Müll zu entsorgen. Weil sie die Mode nicht billig verkaufen möchten, spenden viele Marken diese Kleidung an Organisationen, die sie an Bedürftige weitergeben oder als Secondhand-Ware verkaufen.
Die Organisation Südwind kritisiert, dass diese Textilien zu viel sind für den Secondhand-Markt in Europa und deshalb in afrikanischen Staaten als Müll landen.
Was mit der unverkäuflichen Kleidung passieren soll, ist leider nicht geregelt.
Südwind berichtet, dass in Kampala, einer Stadt in Uganda, vor zwei Jahren 35 Menschen in einer Müll-Lawine gestorben sind, weil ein Müllberg durch die vielen Textilien instabil geworden ist. Es gibt auch Bilder vom Meeresstrand in Ghana, an dem vor lauter Textil-Müll kein Sand zu sehen ist.
Immer mehr Menschen in Europa fragen sich, was sie gegen solche Entwicklungen tun können oder wie sie zumindest vermeiden können, dazu beizutragen. So ist der Trend entstanden, Kleidung gebraucht zu kaufen. Was früher ein Zeichen für Armut war, ist heute als „Vintage“ schick. Secondhand ist sowohl in Boutiquen als auch im Internet gefragt.
Auch Pfarren organisieren Tausch- oder Flohmärkte. Dies ist eine gute Möglichkeit, Kleidung weiterzugeben, die vielleicht zu eng geworden ist, oder die eigene Garderobe ein wenig zu erneuern.
Inzwischen werden sogar zu viele Textilien weggegeben. Die Kleidung als Sachspende an eine wohltätige Organisation abzugeben, animiert manche Modebewusste dazu, mehr Neues zu kaufen – weil sie es ja ohnehin später spenden.
Viele gewerbliche Secondhand-Geschäfte nehmen keine FastFashion-Kleidung mehr an. Als „Fast Fashion“ (deutsch: schnelle Mode) wird Mode bezeichnet, die in den Geschäften schnell wechselt, zum Teil wöchentlich, und zu sehr niedrigen Preisen angeboten wird. Es werden dafür große Anbauflächen für Baumwolle gebraucht, die für die Lebensmittelproduktion fehlen. Auch andere Ressourcen werden unnötig verbraucht, vor allem Wasser.
Der Textilsektor gilt laut Europäischer Umweltagentur als die drittgrößte Ursache für Wasserverschmutzung und Landübernutzung.
Die umweltfreundlichste Variante ist also das Kleidungsstück, das erst gar nicht gekauft werden muss, weil der Kleiderschrank zeitlose Mode mit hoher Qualität enthält.
Dann fällt es auch viel schwerer, sich vom jeweiligen Teil zu trennen, wenn es doch einmal kaputtgeht oder nicht mehr passt. Zudem können teure Textilien in Kunststopfereien „unsichtbar“ repariert werden.
Was früher möglichst unsichtbar sein sollte, darf heute aber sogar hervorgehoben werden. Mit „Visible Mending“ (sichtbarem Ausbessern) und „Sashiko“ (einer japanischen Sticktechnik, übersetzt „kleiner Stich“) werden gebrauchte Kleidungsstücke kunstvoll gestopft und verziert, mit einfachen Stichen, Stickereien, aufgenähten Flecken oder Perlen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. So können schäbige Jeans zu einer einzigartigen Lieblingshose werden.
Oder es entstehen neue Nutzungsmöglichkeiten für alte Textilien: Beutel aus fleckigen Tischtüchern, Abwaschlappen und Putztücher oder Teppiche aus nicht mehr reparaturfähigen T-Shirts. Ein meditatives Hobby ist das Upcycling von Textilien auf jeden Fall.
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