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Duj, duj und jo-ri-ti-ri

LEBENS_WEISE

Unweigerlich denken wir bei Jodlern an Berge und Natur, doch jodeln kann man auch in Innenräumen und in der Stadt recht gut. Außer Mut, seine Stimme zu erheben, sind dazu am besten noch Mitjodler:innen nötig.

Ausgabe: 31/2026
28.07.2026
- Judith Moser-Hofstadler
Jodeln kann unterschiedlich klingen – von lustig bis andächtig. Auf jeden Fall braucht es dafür Mut und am besten Natur. Die Stimmung des Gesangs überträgt sich auf die ganze Gruppe.   (Jodelgruppe)
Jodeln kann unterschiedlich klingen – von lustig bis andächtig. Auf jeden Fall braucht es dafür Mut und am besten Natur. Die Stimmung des Gesangs überträgt sich auf die ganze Gruppe. (Jodelgruppe)
© Sabina Haslinger

Jodeln wird meist definiert als Gesang, der schnell zwischen Brust- und Kopfstimme wechselt, von ganz tief bis ganz hoch. Und diesen Wechsel darf man auch hören, im Gegensatz zum klassischen Gesang. Außerdem ist der Text eine Aneinanderreihung von Silben, die keinen Sinn ergeben.

 

Ursprung unbekannt


Während die einen behaupten, das Jodeln wurde in den Alpenländern erfunden, um in Zeiten vor Funkgeräten und Handys zu kommunizieren, sagen die anderen, dass es in allen Kulturen der Welt ähnliche Gesänge gibt. Wenn Menschen etwa mit Nutztieren kommunizieren – Kühe anlocken zum Melken, eine Herde zusammenrufen –, klingt oft wie ein kleiner Jodler. „Dass Jodler einem Zweck dienen, ist bei uns verloren gegangen,“ erzählt Sabina Haslinger, die Workshops für Jodeln anbietet. „In anderen Gegenden der Welt gibt es jodelähnliche Gesänge z. B., damit die Jagd besser funktioniert oder Regen kommen soll.“


Bei manchen Jodlern lässt sich aber durchaus erahnen, dass sie auch in unserer Gegend bei der Arbeit gesungen worden sind. Beim Heuen etwa oder beim Getreideschneiden, wenn mehrere Personen miteinander gearbeitet haben. Und dann gibt es wieder Jodler, die sich eher dazu eignen würden, nach getaner Arbeit in froher Runde zusammen zu singen. „Es ist schade, dass heute das Singen so verloren geht,“ bedauert Sabina Haslinger. Mit ihren Jodel-Seminaren möchte sie dem auch ein wenig entgegenwirken.

 

Geografische Unterschiede


In ganz Österreich wird oder wurde gejodelt, auch wenn es sehr unterschiedlich und doch wieder ähnlich klingt: vom Jodler in Vorarlberg bis zum „Dudeln“ in Wien. Völlig anders, aber doch irgendwie ähnlich ist wiederum das Jodeln in der Schweiz, das sogar als „immaterielles Kulturerbe“ in die Kulturerbeliste der Vereinten Nationen aufgenommen worden ist.
Wer an „Jodeln“ denkt, hat Bilder von steilen Berghängen und Gipfeln im Kopf. Tatsächlich ist es so, dass bei einer Bergtour die Weite und das mögliche Echo eher dazu verleiten, zumindest einen „Juchizer“ über die Täler zu schicken. Und wer das erlebt, weiß auch, dass es dafür Mut braucht, seine Stimme laut genug zu erheben – auch wenn man sich in den Bergen vielleicht ohnehin freier fühlt. Nach einem stundenlangen, anstrengenden Berganstieg seine Freude über das Geschaffte auszudrücken und Emotionen „rauszulassen“, ist für die meisten gar nicht selbstverständlich!

 

Mut zur eigenen Stimme


Sabina Haslinger ist auch Wanderführerin, und wenn sie mit einer Gruppe unterwegs ist, zählt sie zu einem gemeinsamen Juchizer ein. So würden sich eher auch wirklich alle trauen, mitzujuchizen, weil sie nicht befürchten müssen, dass die anderen ihnen nur zuhören.


Mut braucht es ihrer Meinung nach auch beim Jodeln, weil die meisten Jodler zumindest zweistimmig sind. Es ist nicht selbstverständlich auszuprobieren, ob jede:r die eigene Stimme auch halten kann, wenn jemand anderes mit einer weiteren Stimme einsteigt, wenn man darin nicht geübt ist.

 

Singen in Gemeinschaft


Sabina Haslinger bietet Workshops auch in Bildungshäusern oder für Gruppen an. Sie hält Jodeln für sehr gemeinschaftsfördernd, weil sich die Gefühle, die man dabei empfindet, auf andere übertragen.


Jodeln hat sehr unterschiedliche Facetten, von lustig oder wild bis ganz getragen. Zwischen „Urschrei“ und Meditation ist alles drin. So kann ein Jodler im Ohr helfen, kräftezehrende Strecken beim Pilgern oder etwa bei Wanderungen mit Kindern zu überwinden. 


Auch Andachten und Gottesdienste lassen sich mit Jodlern gestalten. „Wer singt, betet doppelt,“ heißt es – das wird wohl mindestens auch fürs Jodeln gelten!

Sabine Haslinger bringt anderen das Jodeln näher.
Sabine Haslinger bringt anderen das Jodeln näher.
© LeuEVENTS e.U.
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