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Wenn die Bankfiliale schließt

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Immer mehr Bankgeschäfte werden digital erledigt. Gleichzeitig fragen sich viele Kund:innen, wer ihnen hilft, wenn persönliche Ansprechpartner:innen vor Ort fehlen.

Ausgabe: 37/2026
08.09.2026
- Andrea Mayer-Edoloeyi
Der Bankomat, der Selbstbedienungsautomat in der Filiale, das Smartphone oder der Computer: Für viele Kund:innen beschränkt sich der alltägliche Kontakt zur Bank mittlerweile auf Maschinen.
Der Bankomat, der Selbstbedienungsautomat in der Filiale, das Smartphone oder der Computer: Für viele Kund:innen beschränkt sich der alltägliche Kontakt zur Bank mittlerweile auf Maschinen.
© APA-Images / Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger, Юлия Завалишина / Adobe Stock

„Ich erledige meine Bankgeschäfte inzwischen auch online – aber manchmal möchte ich trotzdem jemanden fragen können.“ Dieser Satz beschreibt die Situation vieler Menschen.

 

Nicht nur jüngere Leute, auch viele Senior:innen nutzen längst Smartphones, Nachrichten-Apps und digitale Angebote. Gleichzeitig bleibt bei sensiblen Bereichen wie Geldgeschäften der persönliche Kontakt für viele wichtig.

 

Es gibt auch noch immer genug Menschen, die digitale Angebote kaum oder gar nicht nutzen – sei es, weil ihnen Erfahrung fehlt, weil sie Sicherheitsbedenken haben oder weil sie bewusst auf digitale Angebote verzichten möchten.

 

Weniger Bankfilialen

 

Das Bankgeschäft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Laut einer Auswertung des Momentum Instituts sank die Zahl der Bankfilialen in Österreich von 5.046 im Jahr 2005 auf 3.526 im Jahr 2024 – ein Rückgang von rund 30 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden die Bankgebühren um 62 Prozent erhöht.

 

Bestehen Filialen weiter, gibt es dort Selbstbedienungsgeräte für Kontoauszüge, Überweisungen und Geldbehebungen – und immer weniger unmittelbar ansprechbare Bankmitarbeiter:innen.

 

80 Prozent online

 

Die Banken selbst sehen diese Entwicklung als Anpassung an die Bedürfnisse der Kund:innen. Die Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich betont, dass mehr als 80 Prozent der Standardservices mittlerweile online oder mobil abgewickelt würden. 


Die Rolle der Filiale verändere sich dadurch: Sie werde weniger zum Ort für alltägliche Erledigungen, sondern stärker zum Platz für Beratung und komplexere Fragen.

 

„Der persönliche Kontakt ist dabei noch immer unsere größte Stärke“, sagt Gerald Resch, Generalsekretär des Bankenverbands Österreich. Die Zukunft liege nicht in einem Gegensatz zwischen digitalem Angebot und Filiale, sondern in einer Verbindung beider Möglichkeiten. 


„Die Kunden haben die Wahl“, argumentiert Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer Österreich. Er betont Investitionen in Sicherheit, Benutzer:innenfreundlichkeit und digitale Infrastruktur. 

 

Echte Wahlmöglichkeit?

 

Für Senior:innenorganisationen und Konsumentenschützer:innen stellt sich jedoch die Frage, ob diese Wahlmöglichkeit für alle Menschen tatsächlich gleichermaßen besteht – insbesondere für jene Menschen, die persönliche Ansprechpartner:innen bevorzugen. 

 

Vertrauenssache Geld

 

Gerade beim Thema Geld bleibt Vertrauen ein zentraler Faktor. Eine Bank-App kann Überweisungen ermöglichen, ersetzt aber nicht immer das Gespräch mit einer vertrauten Ansprechperson. Hinzu kommen Risiken wie Phishing-Mails, gefälschte SMS oder Anrufe angeblicher Bankmitarbeiter:innen. Hier sind persönliche Beratung und Aufklärung weiterhin wichtig. 

 

Keine Benachteiligung 

 

Die Arbeiterkammer weist darauf hin, dass Digitalisierung nicht dazu führen dürfe, dass Menschen benachteiligt werden, die digitale Angebote nicht nutzen. Sie fordert Wahlfreiheit und einen gleichberechtigten Zugang zu Dienstleistungen. Digitale Lösungen seien eine Chance, dürften aber nicht zur einzigen Möglichkeit werden.

 

Senior:innen

 

Auch Seniorenorganisationen setzen sich für einen ausgewogenen Umgang mit der Digitalisierung ein. Der Pensionistenverband Österreich betont, dass ältere Menschen nicht ausgeschlossen werden dürfen, wenn sich Dienstleistungen verändern.

 

Der Österreichische Seniorenbund fordert ebenfalls, dass digitale Angebote mit Unterstützung und weiterhin vorhandenen analogen Möglichkeiten verbunden werden. „Die Digitalisierung darf niemanden zurücklassen“, lautet eine zentrale Forderung aus der Senior:innenvertretung. 

 

Digitale Bildung

 

Um ältere Menschen beim Umgang mit neuen Technologien zu unterstützen, gibt es in Oberösterreich verschiedene Angebote. Unter anderem bietet das Katholische Bildungswerk OÖ mit SelbA und weiteren Kursen Möglichkeiten, digitale Kompetenzen zu stärken. Auch die Seniorenorganisationen sind dabei sehr engagiert. 

 

Ländlicher Raum

 

Besonders im ländlichen Raum stellt sich zusätzlich die Frage nach der Infrastruktur. Wenn Bankfilialen, Post, Geschäfte oder andere Dienstleistungen weniger werden, geht es nicht nur um einzelne Angebote, sondern auch um die Lebensqualität in kleineren Gemeinden.

 

Der Gemeindebund sieht die Sicherung grundlegender Dienstleistungen als wichtige Aufgabe für den ländlichen Raum. Gerade die Erreichbarkeit von Bankdienstleistungen und die Bargeldversorgung blieben für viele Menschen ein Thema.

 

Zuhören und helfen

 

Die Herausforderung bleibt damit eine gesellschaftliche: Wie kann technische Entwicklung mit persönlicher Nähe verbunden werden?

 

Banken verweisen auf die Vorteile digitaler Angebote, Konsumentenschützer:innen und Senior:innenorganisationen auf die notwendige Wahlfreiheit.

 

Für viele Menschen wird entscheidend sein, ob es auch künftig Menschen gibt, die zuhören, erklären und helfen – ob in der Bank, in der Gemeinde oder in anderen Einrichtungen vor Ort.

© APA-Images / Pressefoto Scharinger / Daniel Scharinger
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