BRIEF_KASTEN
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler
Ceuta hat eine selten hohe Erregung unter den EU-Regierungen hervorgerufen und diese sogar zur Tat schreiten lassen, nämlich „zum Brief“, den auch Österreich unterschrieben hat. […] Ich kann weit und breit keine ähnliche Erregung über die Erderhitzung bemerken, oder gar Taten, ihr zu begegnen. Dabei ist sie heuer besonders bemerkbar durch Hitzeperioden, Waldbrände, niedrigste Wasserstände und daraus resultierende AKW-Abschaltungen, Dürren, schlechtere Ernten, verbrannte Wiesen, Aufrüstungshysterie und Kriege – wobei die militärische Klimaschädigung überhaupt nicht veröffentlicht wird! Trotz all dieser Warnsignale scheint die Klimaerhitzung die europäischen Regierungen kaum zu interessieren […] Spricht dieser Unterschied in Bezug auf Erregung und Tatendrang nun für Weitsicht und Gemeinwohlverantwortung unserer Regierungen oder dagegen – also für Kurzsichtigkeit, Verantwortungslosigkeit, Feigheit, Hinter-uns-die-Sintflut-Mentalität? Halten Sie das für eine Politik, der wir für unsere Zukunft vertrauen können? Ich wäre dankbar für Ihre Ansicht dazu!
Peter Öfferlbauer, Wels
Es erstaunt mich, mit welcher Vehemenz über die Aussage von Bundeskanzler Stocker diskutiert wird, dass „Kinderbetreuung für ihn keine unbezahlte Arbeit ist, weil er Kinderbetreuung nicht als Arbeit sehen würde“. Nun ja, Kinderbetreuung ist Arbeit. Als Mutter weiß ich das sehr gut. Aber: Wenn AK-Chefin Anderl sagt, dass „Kinderbetreuung die Hundsarbeit ist, die immer noch Frauen unbezahlt erledigen“ – darüber regt sich niemand auf? – Ich schon. Weil es mir wehtut, wenn Kinderbetreuung als „Hundsarbeit“ abgewertet wird. Ich habe viele verschiedene Formen von Arbeit in meinem Leben gemacht: Erwerbsarbeit, Freiwilligenarbeit, Betreuungsarbeit, Pflegearbeit, Gartenarbeit, Hausarbeit, ... Ich habe an allen (meistens) Freude gehabt. Aber die schönste und erfüllendste Arbeit ist für mich die Kinderbetreuung.
Vielleicht sollten wir wieder lernen, Arbeit nicht nur danach zu beurteilen, ob sie mühsam ist, sondern auch danach, was durch sie entsteht und wem sie zugutekommt.
Gabi Reither, Regau
Am Sonntag, 9. August, bin ich nachmittags mit dem Rad zum Domcafé auf ein kühlendes Getränk gefahren […]. Doch was musste ich erstaunt feststellen: Um den Dom wurde fleißig und lautstark gearbeitet, wurden die Aufbauten um
die Bühne von Klassik am Dom abgebaut – laut piepsende Stapelfahrzeuge inklusive. Eine geschäftige „Baustelle“. Von Sonntagsruhe keine Spur. Und das direkt am Dom! Ist doch laut Aussendungen der Kirche der Sonntag und die entsprechende Ruhe ein heiliges Gut; tritt sie doch zu entsprechenden Anlässen lautstark gegen Sonntagsarbeit und für Sonntagsruhe ein – nicht selten Hand in Hand mit der Gewerkschaft. Alles nur eine hohle Phrase? […] Sonntag, Tag des Herrn. Oder doch: Tag des Kapitals? Einen Tag mit dem Abbau zu warten hieße, einen Tag mehr Mietgebühren für die Bühne und das andere Gerät bezahlen zu müssen. Klar: Die abbauende Firma ist keine kirchliche. Aber wenn man direkt vor und um den Dom so etwas zulässt – auf Boden, der sich im Besitz der Kirche befindet –, arbeitet man selber mit Nachdruck am Untergraben der eigenen Glaubwürdigkeit. […]
Johann Grabner, Linz
BRIEF_KASTEN
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