BRIEF_KASTEN
Wir leben in einer der extremsten und noch nie dagewesenen Dürreregionen im Mühlviertel. Auch heute Morgen suchen meine ersten Blicke nach dem Aufstehen draußen nach Spuren vom vorhergesagten Regen: Wieder nichts! Also kann ich am staubtrockenen Acker keine Zwischenfrucht anbauen! Also muss ich wieder die kleinen Obst- und Waldbäume und Sträucher, die ich nicht verlieren will, mit Wasser versorgen! Also werden die Kühe wieder auf der vertrockneten Weide nichts finden und Futter fressen, das eigentlich der Wintervorrat sein sollte! [...]
2026 ist bei uns das vierte Dürrejahr in den letzten zehn Jahren und mit Abstand das trockenste, bei uns fehlen aktuell ca. 210 Liter pro Quadratmeter, das sind fast 50 Prozent weniger als im Durchschnitt. Während es beim Wintergetreide nur geringe Einbußen gab, fehlt bei den Wiesen, die unsere Futtergrundlage bilden, schon über die Hälfte eines normalen Ertrages, und wir wissen nicht, ob heuer noch etwas wachsen wird. Vor einigen Wochen haben wir schon drei Kühe wegen Futtermangels an den Fleischhauer verkauft, weitere zwei Kühe folgen bald. [...]
Bei unserer Betriebsgröße geht es um die Existenz. Der Verlust, trotz der vielen Arbeit auch an Sonn- und Feiertagen, schmerzt. Aber was noch mehr weh tut, ist, dass man sich so alleingelassen fühlt. Den Klimawandel verursachen alle, aber das Risiko tragen nur wir Bauern. [...]
Es gibt derzeit nur mehr ca. 100.000 Bauernfamilien. Das Bauernsterben wird durch den Klimawandel weiter angefeuert. Viele von der jungen Generation tun sich das nicht mehr an! Im Supermarkt bekommt man doch alles. Aber: Wie lange noch? Was macht die Politik im Hinblick auf den Klimawandel? Ferienzeit in der Politik. Alle sind in Urlaub. Bei uns geht sich heuer keiner aus.
Was tun? Man kann es sich aussuchen. Teure Dürreversicherungen, wo man im Schadensfall einen Anteil bekommt. Oder gleich Futter kaufen, und den Gürtel noch enger schnallen. Aber: Bei fast allen Landwirten mit Rinderhaltung ist Futter knapp. Für den Biofutterzukauf sind wir schon weite Strecken gefahren. Der Diesel ist teuer. Und man braucht Glück, dass man überhaupt noch Grundfutter ergattert. Wir hoffen, dass wir mit unserem spärlichen Vorrat die restlichen Tiere über den Winter versorgen können. [...]
Es ist für uns Landwirt:innen sehr wichtig, dass auch die Öffentlichkeit von der Dramatik der Situation erfährt. [...]
Familie Silvia und Franz Rammer, per E-Mail
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>