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Ein Plan B gehört am Berg immer dazu

LEBENS_WEISE

Bergtouren brauchen eine gute Vorbereitung. Die Osttiroler Alpinistin Lisi Steurer erklärt, worauf es dabei ankommt, welche Ausrüstung sie immer dabei hat und wie sie mit Gruppendruck am Berg umgeht.

Ausgabe: 21/2026
19.05.2026
- Paul Stütz
Bergführerin Lisi Steurer weiß, was es zur richtigen Vorbereitung am Berg braucht.  (Foto Lisa Steurer)
Bergführerin Lisi Steurer weiß, was es zur richtigen Vorbereitung am Berg braucht. (Foto Lisa Steurer)
© Privat

Wenn man jetzt an Frühling und Frühsommer denkt: Welche speziellen Gefahren oder Herausforderungen sollte man bei der Vorbereitung von Bergtouren besonders beachten?


Lisi Steurer: Gerade im Frühsommer ist Schnee im Hochgebirge oft noch ein großes Thema. Auch wenn es untertags warm wird, können Schneefelder am Morgen pickelhart sein, wenn die Nächte klar und kalt waren. Und wenn so ein Schneefeld dann noch steil ist, wird es schnell gefährlich. Es passiert leider jedes Jahr, dass Menschen dort ausrutschen, rasch Geschwindigkeit aufnehmen und – je nachdem, wie das Schneefeld ausläuft – ungebremst in Felsen oder Blöcke reindonnern.

 

Wie kann man sich für diese Gefahren wappnen?


Steurer: Für Schneefelder im Frühsommer sind „Grödel“  (Anmerkung: Grödel sind eine Art "Mini-Steigeisen") eine große Hilfe. Sie sind leicht, günstig und geben zusammen mit Wanderstöcken deutlich mehr Sicherheit. Die habe ich in dieser Jahreszeit eigentlich immer im Rucksack. Außerdem lohnt es sich, vor einer Tour bei der Hütte anzurufen. Die Hüttenwirte wissen am besten, wie die Bedingungen aktuell sind und welche Ausrüstung man wirklich braucht. Generell gilt: lieber die Infos vor Ort einholen. Blind den Apps zu vertrauen oder dem, was man gerade für Vorschläge im Internet findet, ist keine gute Idee. 

 

Auf welche grundlegenden Dinge sollte man sonst noch achten, wenn man sich auf eine Bergtour vorbereitet?


Steurer: Als Erstes schaue ich mir den Wetterbericht an. Halbwegs verlässlich ist er meist erst drei bis vier Tage vorher. Kurz vor der Tour sollte man ihn aber unbedingt noch einmal checken. Eine wichtige Frage ist auch: Bin ich allein unterwegs oder mit Kindern? Der Faktor Mensch entscheidet oft schon darüber, welche Tour überhaupt sinnvoll ist. Und ich habe immer einen Plan B. Wenn das ursprüngliche Ziel wegen der Wetterbedingungen dort nicht passt, suche ich mir eine geeignete Alternative in der Nähe. Das kann zum Beispiel einfach ein niedrigerer Gipfel sein.


Gehört zu einem guten Plan B auch, dass man sich schon vorher überlegt, ab wann es Zeit ist umzudrehen?


Steurer: Ja, überhaupt ist der Zeitplan enorm wichtig, gerade im Sommer wegen der Gewittergefahr. Wenn ab Mittag Gewitter angekündigt sind, sollte man möglichst früh starten, damit man rechtzeitig wieder unten im Tal oder auf der Hütte ist. Vor allem mit Kindern muss man genügend Zeitpuffer einplanen, weil man oft langsamer unterwegs ist.

 

Welche Ausrüstung darf bei Ihnen auf keiner Tour fehlen, um auf plötzliche Wetterumschwünge vorbereitet zu sein?


Steurer: Man braucht vor allem Dinge, die vor Kälte und Nässe schützen. Eine Gore-Tex-Jacke ist für mich absoluter Standard, die habe ich wirklich immer im Rucksack. Selbst wenn seit zwei Wochen die Sonne scheint: Gerade dann nehme ich sie sicherheitshalber mit. Außerdem habe ich immer einen Biwaksack oder zumindest eine Rettungsdecke dabei. Damit kann ich verhindern, dass ich auskühle, falls ich doch einmal in Regen oder ein Gewitter gerate. Diese silbernen Rettungsdecken wiegen fast nichts, kosten nur ein paar Euro und können im Ernstfall sehr hilfreich sein. Denn auch im Sommer kann es durch plötzliche Wetterumschwünge sehr schnell kalt werden.

 

Am Berg ist es schwierig, das Risiko ganz zu minimieren. Wie gehen Sie persönlich damit um? 


Steurer: Natürlich wäre es jetzt total vermessen zu sagen, wir sind immer sicher, weil es halt auch nicht so ist, weil man in den Bergen manchmal von Gegebenheiten überrascht werden kann. Dazu gehört  Beispiel Steinschlag. Als Bergführerin und Ausbilderin von angehenden Bergführer:innen beschäftige ich mich ständig mit Risikomanagement. Unser oberstes Ziel ist immer, die Menschen sicher wieder zurückzubringen. Wichtig sind eine gute Planung und viel Erfahrung. Unterwegs muss man oft spontan entscheiden. Eine wichtige Rolle spielt die soziale Komponente: Wie gehe ich mit dem Druck der Gruppe um? Es kommt schon vor, dass Menschen eine Tour unbedingt durchziehen wollen, gerade weil sie extra eine Bergführerin oder einen Bergführer engagiert haben. Dann ist es unsere Aufgabe, zu bremsen und klar zu sagen: Unter den aktuellen Bedingungen geht sich das heute leider nicht aus.

 

Wir haben jetzt viel über Gefahren und Risiken gesprochen. Aber was ist für Sie persönlich den Reiz am Bergsport?


Steurer:  Wenn ich in die Berge gehe, merke ich jedes Mal, wie ich mit jedem Schritt und jedem Höhenmeter mehr Abstand zu den Sorgen im Tal gewinne. Ob auf einem Gipfel mit weitem Blick über die Landschaft oder bei einem Sonnenaufgang im Gebirge. Genau diese Momente weg von der Zivilisation faszinieren mich auch nach mehr als 20 Jahren in meinem Beruf noch immer. Besonders wichtig ist mir dabei, die Natur ganz bewusst zu erleben. Deshalb bitte ich meine Gäste, ihre Handys zumindest lautlos zu schalten, am besten sogar ganz auszuschalten. In den Bergen geht es für mich darum, die Landschaft und das einfache Unterwegssein wirklich in Ruhe genießen zu können. Ich habe das Gefühl, dass dieses Bedürfnis heute wichtiger ist denn je.

 

Zur Person

 

Lisi Steurer (Jahrgang 1979) ist Profi-Bergsteigerin, Bergführerin und bildet selbst Bergführer:innen aus. Die Osttirolerin zählt zu den erfahrensten Alpinistinnen Österreichs. Sie hat zahlreiche anspruchsvolle Erstbegehungen und Expeditionen durchgeführt – oft in technisch extrem schwierigen Wänden. Zudem war sie erfolgreiche Wettkampfkletterin.    

www.lisisteurer.at

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