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„Für mich ist an jedem Tag Vatertag“

GESELLSCHAFT_SOZIALES

Am Sonntag wird Vatertag gefeiert. Mit Frühstück, Ausflug oder einem gemeinsamen Essen. Doch wenn es um Karenz und Kinderbetreuung geht, bleiben Väter nach wie vor die Ausnahme.

Ausgabe: 24/2026
09.06.2026
- Claudia Riedler-Bittermann
Andreas Eder ist überzeugt: Die Zeit des Aufwachsens der Kinder lässt sich nicht nachholen.
Andreas Eder ist überzeugt: Die Zeit des Aufwachsens der Kinder lässt sich nicht nachholen.
© Halinska Anna

Andreas Eder (43) zählt zu dieser Minderheit. Der Leiter des Jugendzentrums YouX in Vöcklabruck steckt mitten im Papamonat mit seinem dritten Kind. Schon bei seinen beiden älteren Söhnen entschied er sich 2016 und 2018 für eine mehrmonatige Karenz. „Für mich ist an jedem Tag Vatertag“, sagt er.

 

Der dreifache Papa schwimmt damit gegen den Strom. Laut aktuellem Wiedereinstiegsmonitor der Arbeiterkammer liegt die Väterbeteiligung beim Kinderbetreuungsgeld-Bezug bei 18,8 Prozent. Zwar ist sie nach einem Rückgang seit 2022 wieder leicht gestiegen, bleibt aber unter dem bisherigen „Rekordwert“ von 20,4 Prozent aus dem Jahr 2017.


Dabei haben Väter in Österreich seit mehr als 35 Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf Karenz. Diese muss mindestens zwei Monate dauern. Teilen sich beide Elternteile die Karenz, kann sie bis zum zweiten Geburtstag des Kindes in Anspruch genommen werden. Davon zu unterscheiden ist der sogenannte Papamonat – eine einmonatige Freistellung unmittelbar nach der Geburt des Kindes.

 

Kurze Karenzzeiten 

 

Wer sich als Vater für Karenz entscheidet, bleibt meist nur kurz zu Hause. Laut Wiedereinstiegsmonitor sind knapp 58 Prozent jener Väter, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, höchstens drei Monate in Karenz. Nur rund 9 Prozent bleiben länger als sechs Monate bei ihren Kindern.


Andreas Eder war bei seinen beiden älteren Söhnen zwei beziehungsweise drei Monate in Karenz. Seine Frau blieb damals ebenfalls zu Hause. Gemeinsam nutzte die Familie die Zeit für Ausflüge und sogar einen Winterurlaub. „Das war sehr prägend“, sagt der 43-Jährige. Dabei denkt er auch an seine eigene Kindheit zurück: „Mein Papa war zwar nicht viel daheim. Aber die gemeinsamen Erlebnisse, etwa Konzertbesuche, sind mir bis heute in Erinnerung geblieben.“ Mit seinen eigenen Kindern wollte Eder solche Erinnerungen bewusst schaffen. „Diese Zeit lässt sich nicht nachholen.“

 

Nachteile 


Warum Männer vergleichsweise selten Karenz in Anspruch nehmen, führt die Forschung vor allem auf die Sorge vor beruflichen Nachteilen, traditionelle Rollenbilder, finanzielle Einbußen und eine betriebliche Kultur zurück, in der längere Väterkarenzen noch immer nicht selbstverständlich sind.
Wie begründet diese Sorgen sind, untersuchte Universitätsprofessorin Doris Weichselbaumer, Leiterin des Instituts für Frauen- und Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Universität Linz, gemeinsam mit Kolleginnen aus Deutschland. Für die 2025 veröffentlichte Studie verschickte das Forschungsteam zwischen 2019 und 2021 mehr als 8.000 fiktive Bewerbungen, die sich lediglich hinsichtlich Geschlecht und Dauer der Karenz unterschieden.


Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild. Nachteile für Väter nach einer Karenz fanden die Forscherinnen nur in einem der drei untersuchten Berufe. Während Väter als Bürokräfte oder Industriekaufleute keine schlechteren Chancen auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch hatten, wurden Kfz-Techniker mit einer zwölfmonatigen Karenz seltener eingeladen als Männer ohne Karenz.  Die Autorinnen sehen darin einen Hinweis darauf, dass in manchen Berufsfeldern noch immer traditionelle Rollenvorstellungen wirken.

 

Positive Erfahrungen


Die Erfahrungen von Andreas Eder fallen deutlich positiver aus. Berufliche Nachteile habe er nicht erlebt. Dass die Karenz für ihn so unkompliziert möglich war, führt er auch auf seinen Arbeitgeber zurück. „Im Jugendzentrum war das kein Problem“, sagt Eder. Nach der Karenz kehrte er wieder in seine Leitungsfunktion zurück. In seinem Freundes- und Bekanntenkreis hätten ebenfalls viele Väter Karenz in Anspruch genommen. Gleichzeitig habe er beobachtet, dass ein längerer Ausstieg für Selbstständige oft deutlich schwieriger umzusetzen sei.

 

Entwicklung miterleben


Einen finanziellen Einschnitt habe die Auszeit zwar bedeutet. „Das ist unbestritten“, sagt Eder. Für ihn überwogen dennoch die positiven Erfahrungen. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die vielen kleinen Entwicklungsschritte seiner Kinder. „Man bekommt sonst vieles gar nicht mit“, sagt er. Während der Karenz war er dabei, als seine Söhne laufen lernten und täglich Neues entdeckten. „Es war einfach eine schöne Zeit.“
Die Herausforderungen waren oft andere als erwartet. Vor dem ersten Kind habe er Respekt vor dem Wickeln gehabt. Schon nach kurzer Zeit sei daraus Routine geworden. Anspruchsvoller sei es gewesen, mit schlaflosen Nächten und dem Schreien des Babys umzugehen. „Daran muss man sich erst gewöhnen.“ Mit dem dritten Kind gehe vieles entspannter.

 

Aktuell kümmert er sich morgens um die beiden älteren Söhne, bereitet Frühstück und Jause vor und begleitet sie in die Schule. Dennoch ist die Situation heute anders: In der inzwischen fünfköpfigen Familie sind längere Auszeiten finanziell schwieriger zu stemmen. Beim dritten Kind bleibt es daher beim Papamonat.

 

Ehrentag und Alltag


Der Vatertag selbst spielt für Eder allerdings nur eine untergeordnete Rolle – damit zählt er zur Mehrheit. Nur ein Drittel der Österreicherinnen und Österreicher misst dem Ehrentag für die Väter laut einer aktuellen IMAS-Umfrage einen hohen Stellenwert bei. Gefeiert wird meist mit gemeinsamer Zeit im Familienkreis. „Wir veranstalten selbst keine Feier, aber die Kinder basteln natürlich in der Schule ein Geschenk“, sagt Andreas Eder.


Wichtiger ist ihm die Rolle als Vater im Alltag. Die Erziehung teilen er und seine Frau partnerschaftlich, ebenso die Aufgaben im Haushalt. „Jeder macht alles“, sagt Eder. Er selbst steht gerne in der Küche, während beide darauf achten, sich gegenseitig Freiräume für Hobbys und Interessen zu ermöglichen.


Besonders wichtig ist ihm, seinen Söhnen bestimmte Werte mitzugeben. Sie sollen lernen, Gefühle zu zeigen, über Trauer zu sprechen und Frauen als gleichberechtigt wahrzunehmen. „Karenz trägt dazu bei“, ist Eder überzeugt. Seine Kinder würden so erleben, dass Betreuung und Erziehung nicht allein Sache der Mutter sind. „Das tut der ganzen Familie gut.“   

Andreas Eder
Andreas Eder
© Tina Tanzer
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