Jetzt ist sie wieder da – die Sonntags-Debatte. Der ganze erste Bezirk in Wien soll zur Touristenzone erklärt werden, damit die Geschäfte an Sonntagen offen halten dürfen. Die Touristen wollen das schließlich, heißt es.
Ob hinter der Debatte tatsächlich der edle Wille der heiß ersehnten Gäste steht – oder ob man nicht doch eher den Gästen halt noch ein paar Euro zusätzlich aus der Tasche locken will? Wer an einem Sonn- oder Feiertag gerne durch eine verträumte, ruhige Stadt wandert, wird diese Ruhe bald nicht mehr finden – und die Touristen, die in ihrem Urlaub Erholung suchen, werden diese anderswo suchen müssen.
Warum nur Wien? Ist nicht Österreich überhaupt Tourismusland? Da wird bald vor jedem Touristen einer hergehen, der die Geschäfte vor ihm aufsperrt. Die Zeiten, da in Tiroler Dörfern die Hausleute mit dem ersten Schnee ihre eigenen Betten geräumt haben, um Platz für Touristen zu schaffen, liegen nicht weit zurück. Der Preis war ein Verlust eigener Kultur. Wer im Touristen nur den Käufer sieht, braucht sich nicht wundern, wenn dieser seine Zuflucht anderswo sucht – wo er als Mensch willkommen ist.