Ausgabe: 2005/50, Kredit und Credo, Leitartikel, Einkaufssamstag, Glauben, Konsum,
14.12.2005
Die Bankomatkarte ist zum Haupt-Werkzeug der Weihnachtsvorbereitung geworden. So scheint es zumindest, wenn man die Hauptnachrichten gegen Ende eines langen „Einkaufs-Samstages“ im Advent hört – ob es ein erfolgreicher Tag war für den Handel.
Der „Kredit“ ist vom Wort her mit dem „Credo“, dem Glauben, verwandt. Menschen sind in den Dingen des Glaubens oft wie mit einer Kreditkarte unterwegs. Man bucht ab, ohne sich bewusst zu sein, ob diese „Abbuchung“ durch eine Wirklichkeit gedeckt ist. Der Glaube erscheint dann wie ein Konsumgut. Man ist froh, dass man ihn hat. Doch es ist wie mit der Kreditkarte: Wo immer nur abgebucht wird und nichts hinzukommt, verbraucht er sich. Irgendwann ist es mit dem Kredit zu Ende. Mit dem Credo ebenso. In der vorweihnachtlichen Zeit sollte also die Sorge nicht dem Äußeren gelten, also jener Vorbereitung, die man mit der Kreditkarte bewerkstelligen kann. Der Kredit, den Gott den Menschen gibt – was auf dem Glaubenskonto als Realität da ist – ist das Kind in der Krippe. Und da ist die Frage: Wie lasse ich mich von diesem Kind ansprechen? Im Ernstfall des Lebens: Was hat den Vorrang – Kredit oder Credo?