Unruhe ist neuerdings bei großen Veranstaltungen zu beobachten: Menschen erheben sich ohne jede Vorwarnung während eines Vortrags, einer Feier oder einer Zeremonie von ihren Sitzen und eilen zur Ausgangstür. Nach einiger Zeit kehren sie zurück. Aber das Innehalten dauert bei besonders Anfälligen nicht lange. Wieder erheben sie sich und eilen ... Ein sehr heimtückisches Virus veranlasst den postmodernen Menschen zu solch Kurzstrecken-Nomadentum. Die Rede ist vom Handy-Virus nach der zweiten Mutation. Vor etwa zehn Jahren tauchte das Virus erstmals auf: Mitten in die Stille einer Veranstaltung machte ein einzelnes Virus durch penetrantes Klingeln auf sich aufmerksam: Hier bin ich! Die zweite Generation erschwerte das unterscheidende Auffinden des Erregers, weil es sich an allen Orten und in verschiedensten Melodien Gehör verschaffte. Eine Epidemie!Die dritte Handy-Viren-Generation ist nun aber besonders heimtückisch. Lautlos und unvorbereitet leert sie die Säle. Die betreffenden Personen erkennen den Befall an einem leichten Vibrieren. Die Umgebung kann keine Veränderung am Patienten feststellen. Doch es droht eine fort-schreitende Verseuchung durch lautlose Impulse, die bei Veranstaltungen das Publikum dezimiert.