Ausgabe: 2005/51, Kopf der Woche, Baumgartner, Landau, Caritas, Arme, Armut,
21.12.2005
Seit zehn Jahren ist Michael Landau Caritasdirektor in Wien. Vor kurzem geriet er – nicht zum ersten Mal – ins Schussfeld der Politik. Er forderte mehr Augenmerk für die Armen.
„Die Caritas ist dazu da, um Menschen in materieller und psychischer Not zu helfen. Sie ist aber auch ein Brandmelder, der anschlägt, wenn gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Versäumnisse Menschen an den Rand drängen“, sagt Michael Landau (45). Dass er damit immer wieder aneckt, stört Landau nicht. Er verweist auf ein Wort seines Vorvorgängers Leopold Ungar: „Christus hat die Kirche nicht zum Ja-Sagen gestiftet, sondern als Zeichen des Widerspruchs.“
Selbst betroffen. Als Michael Landau 1995 vom Studiertisch in Rom an die Schalthebel der Wiener Caritas gerufen wurde, trat er in die großen Fußstapfen von Helmut Schüller und Leopold Ungar. Obwohl er eher zurückhaltend ist, hat er sich in der Öffentlichkeit Gehör verschafft. Er weiß, wovon er spricht, und überzeugt mit persönlichem Engagement und der Arbeit der Caritas. Mit 3000 Beschäftigten hat er den Mitarbeiter/innenstand verdoppelt. Mit großem Gespür hat er die Caritasarbeit auf neue Felder wie Hospizdienst oder Beschäftigungsprojekte für Langzeitarbeitslose ausgeweitet. Zunächst hat der erfolgreiche Chemie-Olympiaden-Teilnehmer Landau Biochemie studiert. Noch während des Studiums begann er sich für den Priesterberuf zu interessieren. Eine Überraschung für ihn selbst und seine christlich-jüdische Familie, da sich Landau erst als junger Erwachsener taufen ließ. Er studierte Theologie in Wien und Rom und wurde 1992 zum Priester geweiht. Die Caritas ist für ihn erfüllte Lebens- und Glaubenszeit.
Hans Baumgartner
„Für mich ist der christliche Glaube kein moralisches Sonntagsgewand, das zwickt, wenn man es anzieht. Er ist vielmehr ein Weg durch den Alltag, ein Weg in die Weite und Freiheit. Wahr ist, auch ich mache schmerzliche Erfahrungen. Am Schluss aber steht ein großes Fest – bei Gott.“