„Ich kann euch zu Weihnachten nichts geben . . . Wir haben nichts.“ Zwei Sätze aus der berühmten Weihnachts-Radioansprache Leopold Figls am 24. Dezember 1945. „Ich kann euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich“, schloss er die Rede.
60 Jahre später. An materiellen Gütern gibt es in Österreich keinen Mangel. Nicht nur an Grundnahrungsmitteln, auch für die ins Detail gehenden Lebensfreuden ist alles da. Es stellt sich nicht das Problem, ob es überhaupt etwas zum Schenken gibt, sondern womit man aus der Vielfalt des Angebotenen noch überraschen könnte.
Eine Erfahrung hat sich mit diesen 60 Jahren seit Figls Rede vertieft: der „Glaube“ steigt nicht automatisch mit dem Grad des Wohlstands – der Glaube an Österreich nicht und auch nicht Glaube im religiösen Sinn. Gerade die „Sattheit“ wird zum Problem. Die Fettschicht des Wohlstands erstickt so manches gesunde Gespür für Lebenssinn und Freude. Glück ist nicht käuflich. Bescheidenheit ist dem Menschen heute Gott sei Dank nicht aufgezwungen. Sie liegt in der Verantwortung des Menschen. Sie ist eine Kunst.