Ankommen und aufbrechen, festhalten und loslassen, geben und nehmen ... Alles sorgt für Rhythmus. Nichts aber scheint unserer Zeit so intensiv Rhythmus zu geben wie der Wechsel von zu- und abnehmen. Geburtstagsfeiern werden verschoben, weil einen die Arbeit nicht loslässt. Sonntagspausen werden gestrichen, weil einem nach kaufen zumute ist. Sogar Weihnachten wird da und dort nach vor oder nach hinten verlegt, weil sichs mit dem Urlaub nicht anders ausgeht. Aber ein Termin wird zunehmend unumstößlich: Der Diät-Start. Jährlich zur gleichen, wenn auch individuell durchaus unterschiedlichen Zeit beginnen Menschen die verschiedensten Diäten, und das punktgenau. Noch saßen sie neben dir und sprachen dem Schweinsbraten zu, tunkten einen zweiten Knödel im Saft, lobten den guten Wein, und plötzlich bricht der innere Befehl über sie herein: Stopp! Schubumkehr! Diät steht am Kalender. Ihr Kommen und Gehen ist so unumstößlich, wie es die Mondphasen sind. Und wie nach jedem Neumond der Mond wieder zunimmt, dann Vollmond ist, um wieder abzunehmen, ist es auch das Schicksal der Diäten. Widerspruch duldet ihr Rhythmus genau so wenig wie sich der Winter vom Herbst verdrängen ließe. Und die „Diät-Anrainer“ tun gut daran, sich in den Winter zu fügen.