300 getaufte Methodisten leben in Oberösterreich. Pastor Markus Fellinger betreut die beiden Gemeinden in Linz und Ried im Innkreis.
An der langen Straßenfront der Wiener Straße, die aus Linz hinaus nach Ebelsberg führt, fällt es zunächst gar nicht auf, dass hier eine Kirche steht. Hausnummer 260. Das ist die Adresse der Methodistengemeinde von Linz. Vorne ein Wohngebäude, dahinter die Kirche mit den Begegnungsräumen.
Der Werdegang. Sozial handeln. Das ist eines der großen Anliegen der methodistischen Kirche – auch ihres Pastors Markus Fellinger. „In meinem Leben hat sich viel abgespielt“, erzählt Markus Fellinger. Der geborene Linzer lebte seine Jugendjahre in einer freien Christengemeinde. Einem, den eher seine Fragen als seine Überzeugungen bewegt haben, wurde es zu eng. Er zog nach Wien, studierte Jus, Germanistik und Philosophie, absolvierte dann die Sozialakademie – und studierte schließlich in Deutschland Theologie. Er hatte einen gefunden, der ihm auch nicht die Fragen beantwortete, der ihn mit all seinen Fragen schätzte. Es war der Methodisten-Pastor Helmut Nausner. Diese Begegnung hat Fellinger in die methodistische Kirche geführt. Eine Begegnung in der französischen ökumenischen Brüdergemeinschaft von Taizé hat ebenfalls das Leben verändert. Er hat dort seine spätere Frau Sylvia – jetzt Landschaftsarchitektin – kennen gelernt. Zwei Kinder – Simon Joel (11) und Anna Lena (8) – machen die Familie komplett. „Alles Leben ist Begegnung.“ Dieser Satz des berühmten Theologen Martin Buber ist ein Kernsatz im Glaubensverständnis von Markus Fellinger. Nur rund 300 Mitglieder gehören zur evangelisch-methodistischen Kirche in Oberösterreich. Doch sie ist eine Weltkirche. Zu den Sonntagsgottesdiensten in Linz kommen jetzt auch viele Schwarz-Afrikaner, die hier religiöse Beheimatung finden. Im Dachgeschoß ist ein Meditationsraum eingerichtet. Jeden ersten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr kommen hier Leute zum Taizé-Gebet zusammen.
Ökumene von unten. Die Beziehung der christlichen Kirchen untereinander hat für Markus Fellinger eine eigene Qualität. Als Vertreter einer hierzulande sehr kleinen Kirche fühlt er sich im großen Feld der christlichen Kirchen oft wenig wahrgenommen. Ökumene wird meist vorwiegend als eine Sache zwischen Katholiken und der evangelischen Kirche gesehen. Als „nicht einmal ordentlich evangelisch“ wissen sich die Methodisten nicht richtig ernst genommen. Für manche Medien existieren sie kaum.
Ihre Bewährungsprobe erlebt die Ökumene – so sieht es Fellinger – nicht nur oben, nicht bei der Frage, ob die Spitzenrepräsentanten miteinander gut können und zusammen öffentlich auftreten –, sondern vor allem in der täglichen Praxis: ob man auch im christlichen Alltagsleben einander wahrnimmt. Dass es mit der nahe gelegenen christlichen VOEST-Gemeinde und Pfarrer Rupert Granegger ein gutes Miteinander gibt, freut den Pastor. Ökumenische Freundschaften waren ihm in den 15 Jahren in Salzburg sehr wichtig. Auch schwierige Phasen konnte man so durchstehen. Mehr als ein gegenseitiges Respektieren war das. Es war ein Zusammenstehen. Linz erlebt er liberaler als Salzburg, was ihm eigentlich symphatisch ist – aber unverbindlicher.
Zuwendung zum Menschen. Spiritualität drängt zu sozialem Engagement. Das ist für Markus Fellingers Glaubensverständnis entscheidend. Das ist für ihn auch etwas, was er an der katholischen Kirche schätzt. Die hierarchische Ordnung der großen Schwesterkirche ist ihm jedoch eher fremd. „Mein Ziel ist die Ökumene, nicht die Konfession“, betont Fellinger. Der Mensch steht dabei an erster Stelle und nicht das Dogma. Warum Christen dann nicht miteinander Abendmahl feiern sollten, kann er nicht verstehen. „Ich hätte mir nicht gedacht, dass es in der Ökumene noch einmal ein Zurück gibt“, sagt er. Arme, Arbeitslose, Kinder, die hinter den Fernsehgeräten verwahrlosen – sie bräuchten eine spirituelle Herausforderung, brauchen Hoffnung. „Es gibt so viel zu tun in der Welt!“ Als Pastor meint er damit nicht Kirchenrenovierungen, sondern vor allem die Zuwendung zum Menschen. Kirche darf nicht lebensfremd werden.