Eine Freistunde, ein Schulfach zum Heben des Notenschnitts, eine gute Gelegenheit, um die Hausübung abzuschreiben? Schüler/innen erwarten mehr vom Religionsunterricht.
„Auch wenn ich mich abmelden könnte, würde ich mich für den Religionsunterricht entscheiden“, sagt Dietmar. Mit seiner Einstellung liegt der Schüler der 5. Klasse des kirchlichen Gymnasiums Dachsberg voll im Trend. Über 92 Prozent der katholischen Schüler/innen nehmen an Oberösterreichs Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) am Religionsunterricht teil.
Werte und Wissen. Was macht einen guten Religionsunterricht aus? „Dass man über Themen reden kann, die einem selber wichtig sind“, meint Laura. Als Beispiel nennt die 16-jährige Waldorf-Schülerin aus Linz „Frauenthemen wie Abtreibung“. Den Religionsunterricht findet sie wichtig, weil man viel über das Leben lernt. Die Diskussion, ob ein Ethikunterricht den Religionsunterricht ersetzen sollte, dauert unter den Schüler/innen nicht lange. „Der Religionsunterricht leistet ja einen großen Beitrag zur Werteerziehung“, meint etwa Georg, der die 7. Klasse in Dachsberg besucht. Außerdem gehe es nicht nur um Werte und Moral, sondern auch um Wissensvermittlung. „Tradition und Geschichte des Christentums – das kann man nicht einfach in den Wind schießen.“
Wirtschaft hat Interesse. In einer Zeit, in der das Interesse der Jugendlichen an Glaube und Kirche tendenziell abnimmt, hat der Religionsunterricht einen hohen Stellenwert. „Auch nicht religiöse Eltern wollen, dass ihre Kinder in der Schule den Religionsunterricht besuchen“, sagt der stellvertretende Obmann des oberösterreichischen Elternverbandes, Dr. Enrico Savio. Den Grund sieht er darin, dass auch in international tätigen Wirtschaftsbetrieben Religion ein Thema sei.
Religion erklärt viel. „Schule lebt nicht nur von Sprachen, Daten und Fakten“, meint Georg. Er sieht auch den erzieherischen Auftrag einer Schule. Da spiele der Religionsunterricht eine große Rolle. Dass es unzeitgemäß sei, religiöse Themen in der Schule zu behandeln, findet seine Klassenkollegin Christine nicht. „Viele Dinge auf der Welt, können durch Religion erklärt werden.“ Einig sind sich die Schüler/innen, dass ein sinnvoller Religionsunterricht in erster Linie von der Lehrkraft abhängt. Von Dogmenlehre halten sie dabei nicht allzu viel. „Es ist wichtig, dass dir niemand Religion hineindrucken will“, sagt Laura. Und offen für anderes soll er sein. Georg: „Österreich wird immer multikultureller“, weswegen das Wissen über Weltreligionen immer wichtiger werde.
Beim Religionsunterricht muss die Verpackung stimmen
Religionslehrerin Elisabeth Caloun ortet „Sehnsucht nach Religion“ bei Jugendlichen
Das Wort „Katechismusunterricht“ hat Papst Benedikt XVI. laut Kardinal Christoph Schönborn gar nicht verwendet. Seit es aber trotzdem in den Medien herumgeistert, sorgt es für Diskussionen unter den Religionslehrer/innen. Ob Glaubensunterweisungen (das bedeutet „Katechismus“) in die Schule gehören, ist für Elisabeth Caloun, Religionslehrerin an der Übungshauptschule der Diözese Linz, nicht die brennende Frage. Dass sich Jugendliche grundsätzlich nicht ungern mit Religion beschäftigen, liegt für sie auf der Hand: „Die Sehnsucht nach Religion ist auf jeden Fall vorhanden“, glaubt sie. Nur müsse man die Schüler/innen dort abholen, wo sie sind. Religionslehrer/innen sollten unbedingt die Sprache der Jugendlichen verstehen. „Wir singen halt ,One of us’ statt ,Es ist ein Ros’ entsprungen’“, spricht die Pädagogin die richtige Verpackung des Religionsunterrichts an. Sie habe auch beobachtet, dass sich Schüler/innen gern für Religiöses, etwa Schulgottesdienste, engagieren. Für sie ist Ethikunterricht im guten Religionsunterricht inkludiert. Er behandle alle lebensrelevanten Themen und hebe sich von anderen Gegenständen ab. „Er wirkt daher oft wie eine Kraftquelle.“