Drei Mal hatten die Taliban Eidmohammads Vater aus dem afghanischen Dorf verschleppt. Gegen die Ausländer sollte er kämpfen, doch er wollte nicht mehr töten. Da floh er in den Iran. An seiner Stelle holten sie den Sohn. „Du bist alt genug zum Kämpfen“, sagten sie dem 16-Jährigen. Fünf Brüder und eine Schwester hat er noch. Da floh auch er mit seinem jüngeren Bruder in den benachbarten Iran. Auf Baustellen arbeiteten und schliefen sie. Als die Afghanen aus dem Iran abgeschoben werden sollten, kam es zu Tumulten. Mit Schlagstöcken wurden auch die beiden Brüder niedergeprügelt. Eidmohammad erzählt die Geschichte seiner Flucht – bis er und seine Fluchtgefährten im letzten Jahr aus einem plombierten Container in Österreich gerettet wurden, fast verdurstet. 19 ist Eidmohammad heute. Er ist einer der sieben Erwachsenen, die am kommenden Pfingstsonntag in der Pfarrkirche Wolfsegg nach einer alten kirchlichen Tradition mit dem Katechumenenöl gesalbt werden. Pfarrer Hermann Pachinger bereitet seit Oktober 2012 die sieben Taufwerber aus dem Asylanten-Quartier in Wolfsegg auf die Taufe vor. Die katholische Kirche Österreichs sieht für Asylwerbende eine einjährige Tauf-Vorbereitungszeit vor. Das soll nicht nur „Scheintaufen“ verhindern, sondern eine echte Einführung in das Leben als Christ und in die christliche Lebenspraxis ermöglichen. Ein Jahr mit allen kirchlichen Höhepunkten haben die Taufwerber dann erlebt.
Im Herzen schon Christen.
Doch die Taufwerber in Wolfsegg verstehen sich im Inneren schon lange als Christen, auch wenn sie nicht getauft sind. Der Iraner Shahed Salek trägt die Spuren von Folter an seinem Körper. Weil er sich für das Christentum interessierte, wurde er als Jugendlicher von der Medizin-Universität ausgeschlossen. Als er es später dennoch zu einem erfolgreichen Geschäftsmann brachte, wurde er eingesperrt. Innerlich hatte er sich längst für ein christlichen Leben entschieden, aber das ist im Iran verboten. Einen Krankenurlaub nutzte er zur Flucht. Seine lange Flucht endete in einem Maisfeld. Dann der übliche Weg: Traiskirchen – und schließlich in Wolfsegg. Unter den Taufwerbern sind auch die beiden Brüder Rahmatulla und Nourallah Atiqi. Mit sechs hatten sie schon ihren Vater verloren. Also wissen sie gut, was es für ihre Frauen und ihre jeweils zwei Kinder bedeutet, ohne Vater zu sein. Sie mussten fliehen, weil sie sich als Christen verstanden, zwar nicht getauft, aber in ihrem Herzen.
Albträume jede Nacht.
„Ich bin sehr froh, dass ich in diesem Ort bin und dass ich den Pfarrer kennengelernt habe“, erzählt Nourallah. Als Christ wird er den Namen Johannes annehmen, sein Bruder wird Peter heißen. Er glaubt an eine Art Vorsehung, die sie nach Wolfsegg geführt hat. Trotzdem: Albträume sind fast jede Nacht da. Die dramatischen Flucht- und Gefängnis-Erlebnisse durchleiden sie immer wieder. Der größte Wunsch der Brüder wäre, dass auch ihre Familien nachkommen können – aber jetzt haben sie nicht einmal einen Kontakt. Pfarrer Hermann Pachinger und Helfer/innen wie Erika Serr werden sie dabei unterstützen. Da ist viel Vertrauen gewachsen.
Die Flüchtlinge wurden von der Bevölkerung gut aufgenommen.
Großartig ist, wie die Flüchtlinge in Wolfsegg von der Bevölkerung aufgenommen werden. Am Sonntag wird das Evangelium in der Kirche für die Taufwerber auch in persischer Sprache gelesen. Eine Bibel in der Hand halten zu können, bedeutet für die Flüchtlinge eine große Freiheit. Zu Hause hätte man sich damit nicht erwischen lassen dürfen. Während die sieben Erwachsenen zu Pfingsten mit dem Öl gesalbt werden – ein Stärkungs-Ritual – werden zwei Kinder bereits die Taufe empfangen. Eins davon wird mit den anderen Kindern von Wolfsegg eine Woche später schon Erstkommunion feiern können. Bereits am 23. Februar wurden sie alle im Linzer Dom durch Bischof Ludwig Schwarz offiziell als Taufwerber aufgenommen.