Die Schutzkleidung aus kalten Zeiten erweist sich an heißen Tagen als Risiko. Sie macht behäbig, engt ein. Das betrifft auch den Glauben.
Ein Leitartikel von Matthäus Fellinger
Ausgabe: 2013/21, Glauben, Ausübung, Spontanität
21.05.2013
- Matthäus Fellinger
Leichte Kleidung ist angesagt, denn wer an heißen Tagen im Wintermantel durch die Gegend läuft, riskiert den Kollaps. Die Schutzkleidung aus kalten Zeiten erweist sich unter anderen Verhältnissen als Risiko. Sie macht behäbig, engt ein.
Das betrifft auch den Glauben. Manche legen die Vorsicht nie ab – aus Angst, sie könnten etwas falsch machen oder es könnte ihnen etwas zustoßen. Auch im Glauben sind sie immer in voller Montur unterwegs, eingewickelt mit all den Geboten, der Katechismus ist nie weit weg: Ist das denn erlaubt? Gehört es sich auch?
So verliert das Leben an Wendigkeit – und der Glaube seine Spontaneität. Der Mantel der Vorsicht erstickt das Staunen, auch die Freude. Selbst der Weg zum Nächsten wird unter solchen Bedingungen mühsam. Dem, was man muss, verhaftet, schleppen sie sich dahin. Glaube verkommt zur lustlosen und schweißtreibenden Pflicht(aus)übung.
Jetzt brauchen wir den Mantel nicht mehr. Das ist die Erfahrung früher Sommertage. Die Wärme darf man spüren – auch die pfingstliche Wärme des Geistes, der alle Vorsicht zunächst einmal vergessen lässt. Auftanken heißt es – leicht und unbeschwert. „Freut euch“ – und – „fürchtet euch nicht!“