BRIEF_KASTEN
Ihre Aussaat fällt nicht erst in die Zeit, in der sich der Frost zurückzieht und es von Woche zu Woche wärmer wird. Jetzt muss man säen.
Das lässt an die traurige Lage der Welt denken. Jetzt nämlich ist die Zeit, den Frieden zu säen. Wenn man ihn will, dann darf man mit der Aussaat nicht auf bessere Zeiten warten. Ehe die Böden einer Verständigung ganz zugefroren sind, muss das Friedens-Saatgut in die Erde kommen. Bei den großen Konflikten ist es nicht anders als bei den kleinen.
Das Saatgut des Friedens heißt Vertrauen – und es muss rasch in den Boden. Da ist so viel Hass im Spiel – und sehr viel Wut und Trauer. Waffen schützen vielleicht, doch besiegen können sie den Hass nicht. Sie fachen ihn an. Wo die andere Seite nur misstrauisch beäugt wird und wo man nur auf der Hut voreinander sein muss, kann der Friede schwer Wurzeln fassen. Ist das nicht die Erfahrung vieler Konflikte auf der Welt gewesen? Hass und Wut lassen sich nur heilen – durch Vertrauen.
Und auch wenn noch so wenig davon da ist, es ist dennoch der Mutterboden für ein künftiges Leben in Frieden. Es braucht das Hineinfühlen in die andere Seite – wie es den Menschen dort geht –, in ihre Ängste, in ihre Wut auch. Die jetzt schon und nicht erst in besseren Zeiten diese Achtung des Anderen aufbringen, sind jene, denen man einmal danken wird. Die besseren Zeiten kommen, wenn man sie wagt.
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