BRIEF_KASTEN
Rund fünfundvierzig Jahre ist es her, da waren wir in einer Gruppe oben auf der Hütte. Der schmale Weg führte über Stock und Stein, schließlich nur mehr über Stein bis fast hinauf zum Gletscher. In der Hütte ging es einfach zu. Es musste ja fast alles hinaufgetragen werden. Zum Frühstück bestellte man Teewasser, alles andere hatte man mit.
Jetzt aber: Ein breiter Weg führt hinauf. Die Wirtsleute transportieren das Nötige und viel Unnötiges per Allrad nach oben. Auch über 3.000 Metern Seehöhe erwarten viele Hotelbedingungen. Der Gletscher fängt jetzt viel weiter oben an. Bequem ist der Weg hinauf geworden.
Als Pensionist habe ich jetzt bestimmt weniger gekeucht als damals als Student. Wir leben in einer Epoche, in der enorm viel in Wege und Straßen investiert wird – damit sie bequemer und schneller werden. Dafür wurde gerodet, gesprengt, asphaltiert und begradigt. Die alten Wege tun es nicht mehr!
Aber seltsam. So viel auch in Wege investiert wurde: Kommen Menschen wirklich besser voran und zueinander? Auf eine bestimmt Art von Wegen wurde ziemlich vergessen: auf die Zueinander-Wege. Die sind holprig geworden. Man wollte rasch weiter-, aber wenig zusammenkommen.
Menschen gehen sich lieber aus dem Weg, als dass sie zusammenfinden. Menschen verlieren sich auf ihren Wegen. Hat man zu viel an den Ausbau der Güter-Wege und Vergnügungs-Wege für sich selbst gedacht, zu wenig aber an die Wege für das Zueinander?
Das Wegenetz der Freude am Miteinander wäre kostengünstig: Man kommt ganz ohne Überholspur aus.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>