BRIEF_KASTEN
Wenn Menschen ihren Arbeitsplatz verlassen, räumen sie auf. Je länger sie an einem Ort tätig waren, desto mehr Ordner, Schriften, Dokumente sammeln sich meist an. Die Nachwelt kann nicht immer alles übernehmen. Von vielem muss man sich trennen. Etliche Seminare werden dazu angeboten. Entrümpeln liegt auch privat voll im Trend.
„Es ist so super!“, sagt meine Nachbarin, die kurz vor der Pensionierung steht: „Die ganzen Übungszetteln, Mitschriften, die Unterlagen aus dem Studium: Ich entsorge das alles. Ich brauche das nicht mehr. Wunderbar!“ Nur noch wenig bleibt übrig, das bei ihr zu Hause archiviert wird. Diese Leichtigkeit, die sie nun ausstrahlt, ist beeindruckend, fast beneidenswert.
Ich selbst bin eher eine Sammlerin und lebe gegen den Trend: Das selbstgezeichnete Billett aus Kindertagen, der Brief an die Eltern vom Ferienlager in Obertraun – Ich kann nichts davon weggeben.
Die Notizen eines Gesprächs mit einem prominenten Interviewpartner: Ich hebe sie lieber noch auf. Die vom Kollegen am ersten Arbeitstag überreichte Kaffeetasse: Sie steht noch auf der Anrichte in der Redaktion.
Ich könnte tagelang in alten Zeitungen wühlen, historische Fotos anschauen, neue Boxen für alte Sachen kaufen. „Was soll von mir, von uns übrig bleiben?“ Diese Frage stellen sich Archivare bei ihrer Arbeit. Und jetzt ich.
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