BRIEF_KASTEN
Vor 200 Jahren – 1821 – hat Wilhelm Müller aus Dessau das Gedicht geschrieben – und zwei Jahre darauf hat Franz Schubert die Noten dazu gesetzt: „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Gesungen oder bloß vor sich hin gepfiffen pflanzt sich die muntere Melodie seither durch die Generationen fort. Man singt es, wenn man fröhlich ist – und das Lied macht fröhlicher, wenn man traurig ist. „Das muss ein schlechter Müller sein, dem niemals fiel das Wandern ein“, spornt das Liedchen den Faulpelz an.
Überhaupt muss der Dichter Müller ein genialer Kopf gewesen sein. Die Texte von Schuberts Liederzyklen „Die schöne Müllerin“ und „Winterreise“ stammen vom – wie Schubert – jung mit nur 32 Jahren verstorbenen Dichter. „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Ich hört‘ ein Bächlein rauschen“ gehören zum fast selbstverständlichen Liedschatz von Kindesbeinen an.
Viele entdecken tatsächlich die Lust am Wandern neu. Die „modernen“ Fortbewegungsmethoden sind mit einer Art Geringschätzung der Welt um mich herum verbunden. Sie wird so zur bloßen Strecke, die man möglichst rasch zurücklegen und hinter sich bringen will. Im Gehen wird die Welt zum Geschenk, das ich erleben kann. Eine Art Übung ist es, denn auch das Leben ist ein Weg. Arm ist der Mensch, der diesen nur zurückzulegen trachtet – an allem vorbei – und nicht lebt.
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