BRIEF_KASTEN
Mein Kühlschrank ist kaputt. Ärgerlich, aber naja, ich kann es mir leisten, das Gerät zu ersetzen. Ich habe mich bewusst für eine energieeffizente Kühl-Gefrier-Kombination entschieden, auch wenn das etwas mehr kostet.
So ein kaputter Kühlschrank hat für mich Trigger-Potenzial: Ich werde an jene Zeiten erinnert, wo ich mir sowas einfach nicht hätte leisten können. Aber ohne Kühlschrank geht es eben nicht.
Vermutlich hätte ich mühsam etwas Geld zusammengesucht und irgendwo ein gebrauchtes Gerät gefunden. Und dann viel Zeit darauf verwendet, eine kostengünstige Transportmöglichkeit dafür aufzutreiben. Einen Kühlschrank kann man ja schlecht mit der Straßenbahn nach Hause bringen. Alte Geräte brauchen viel mehr Strom – aber was soll man machen?
Das Leben armutsbetroffener Menschen ist richtig anstrengend. Arm zu sein bedeutet, sich nichts ansparen zu können. Realistisch wird man dauernd mit Unvorhergesehenem konfrontiert: Eine Preiserhöhung bei Lebensmitteln oder eine leere Druckerpatrone reicht oft schon aus. Armutsbetroffene wissen mehr als mancher Politiker über die Organisation des alltägliches Lebens.
Und aus aktuellem Anlass: Sie brauchen sicher keine Ernährungstipps, sondern berechenbare und ausreichende soziale Leistungen.
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