BRIEF_KASTEN
Da ist nicht viel los, angeblich. „Saure-Gurken-Zeit“ eben. Angeblich sind wir im „Sommerloch“. In den Zeitungsredaktionen und bei den Sendern herrscht Themenmangel, also wird viel wiederholt, lange am Kochen gehalten und aufgewärmt.
Zeiten, in denen nur von wenig Neuem berichtet wird und am Morgen das Display am Handy nur schon Bekanntes anzeigt, sind für viele Menschen schwierige Zeiten. „Mir ist so fad“, lautet für sie die Selbstdiagnose.
Eigentlich verwunderlich: Warum nur halten es Menschen so schwer aus, wenn sich um sie herum nicht ständig etwas ereignet – als fände man das Glück nur in den Neuigkeiten, von denen man gar nicht genug kriegen kann?
Vielleicht liegt es daran, dass wir auch mit unseren Erlebnissen so umgehen, wie wir es mit den Dingen gewohnt sind: dass wir ständig Nachschub haben wollen und schnell entsorgen, was nicht mehr gefällt.
Wenn also jemand einen verregneten Tag als Katastrophe betrachtet, mag er sich fragen, wie viel ihm an ihm selbst gelegen ist, dass er gar so wenig mit sich anzufangen weiß. Es wäre die Möglichkeit, sich das Naheliegende auch nahegehen zu lassen.
Man kann eine sehr weite Reise unternommen haben, ohne auch nur einen einzigen Kilometer fort gewesen zu sein, wenn man es schafft, das Wunder in allem wahrzunehmen, das einen umgibt. Jede Pflanze, jedes kleine Ding, jede Geschichte, die man gehört hat, ist es wert, Beachtung zu finden. Von wie viel Gutem, Interessantem und Schönem wären wir schon umgeben gewesen, ohne dass wir es auch nur bemerkt haben.
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