BRIEF_KASTEN
Groß und stark – und somit auch einflussreich – wer möchte es nicht werden und sein? Nicht Menschen für sich allein, auch politische Gemeinschaften, Staaten und Staatenbünde, Firmen und Konzerne streben nach Größe und damit mehr Einfluss und – Macht. Groß bedeutet stark. Was klein bleibt, ist schwach. Aber stimmt es denn? Pfirsiche und Apfel am Baum, Trauben am Weinstock, auch die Ähren am Halm zeigen es anders. Zuerst stimmte die Logik des Großwerdens als Ziel. Aber sobald sie ihre angemessene Größe erreicht hatten, haben sie zu wachsen aufgehört. Groß allein genügt nicht. Wer hätte nicht schon in den sprichwörtlichen zwar großen, aber doch sauren Apfel gebissen? Im Reifwerden muss zu der angemessenen Größe auch die Güte kommen. Das Gutwerden also. Oft bleibt das menschliche Mühen im Ziel des Größerwerdens stecken – und es wird auf das Gutwerden vergessen – in den Kinderschuhen eigentlich. Bloß mächtig und stark allein sein zu wollen ist ein verhängnisvolles Streben. Da wird Wachsen zum Verdrängen, es lässt das Eine dem Anderen keinen Raum. Besser und verträglicher ist es, sich mit anderen weniger nach der Größe zu messen als nach der Güte.
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