BRIEF_KASTEN
Die Kirche ist nicht gut damit gefahren, dass sie lange das Leben der Menschen bis ins letzte Detail regeln wollte: Wie man es mit der Liebe hält, wie oft man beichten und in die Kirche gehen soll und so fort. Die Umstände änderten sich und viele haben sich solcher „Vormundschaft“ entzogen.
Aus Erfahrungen sollte man klüger werden. Umso mehr erstaunt es, mit wie viel Nachdruck heute beständig neue Normen eingefordert werden – und zwar nicht von den Kirchen.
Bei den Waren hat es angefangen. Da wird nach Norm produziert und was den Normen nicht entspricht, hat am Markt keine Chance. Mehr und mehr greift solche Normfreudigkeit auf geistige Felder über.
Was und vor allem mit welchen Worten man etwas sagen darf – politisch korrekt und geschlechtergerecht muss es zum Ausdruck gebracht werden. Fast vernimmt man den Ruf nach einer „Sprachpolizei“, wie sie eine populäre Radiosendung der Fünfziger- bis Siebzigerjahre im Titel trug.
Aber warum muss alles normiert sein? Wären Verhaltens- und Ausdrucksweisen nicht besser in der Selbstverantwortung der Menschen aufgehoben? Sie müssen ja selbst damit zurechtkommen, wenn sie sich mit schlechten Ausdrucksweisen unbeliebt machen. Und was sagt schon ein Wort, wenn es nicht der inneren Haltung entspricht?
Wichtiger ist wohl ein ehrliches Wort als ein normgerechtes. Könnte man an die Thematik nicht mit derselben Gelassenheit herangehen, wie es beim Thema Kleidung der Fall ist? Da kommen auch so manche „unmöglich“ daher. Aber wird man ihnen deshalb ihre Kleider verbieten?
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