BRIEF_KASTEN
Zu heiraten und den Nachnamen des Ehemanns anzunehmen ist fast, als würde man eine neue Identität bekommen. Fast wie im Zeugenschutzprogramm, nur dass man sich nicht vor gefährlichen Verbrecher:innen schützen muss, die einem nach dem Leben trachten, sondern einfach ein neues, schönes Lebenskapitel aufschlägt. Nicht zu vergessen, dass man als Paar mit einem ganz anderen, neuen Selbstbewusstsein auftritt.
Trotzdem führt das Tragen eines neuen Nachnamens beinahe dazu, dass man unfreiwillig untertaucht. Besonders bei Mails – sowohl beruflicher als auch privater Natur – muss ich immer wieder erklären, dass ich „ich“ bin, um Verwirrungen vorzubeugen oder Missverständnisse auszuräumen. Von den Änderungen bei wichtigen Dokumenten, bei der Bank oder beim Finanzamt ganz zu schweigen. Es ist ein leicht nerviger Extra-Aufwand, den mein Mann in der Form natürlich nicht hat.
Heutzutage muss (hoffentlich) keine Frau mehr heiraten, um versorgt zu sein und geht zum Glück auch nicht mehr in den Besitz des Mannes über. Anfangs, wenn ich mit „Frau Hammerl“ angesprochen wurde, fühlte es ich dennoch so an, als wäre ich ein Stückchen weggerückt von meiner Familie. In Wahrheit ist es aber so, dass sich „meine“ Familie im besten Sinne erweitert hat und der Kreis der Lieben größer geworden ist.
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