BRIEF_KASTEN
Es sind die Lohn-Nebenkosten, heißt es von Unternehmerseite, die das Wirtschaften gar so teuer machen. Nebenkosten haben es in sich. Sie summieren sich. Doch um Lohnverhandlungen soll es hier nicht gehen. Das Leben selbst hat seine Nebenkosten.
Da war jemand voll Vorfreude zeitig dabei, all die Pflänzchen heranzuziehen, die später im Jahr eine schöne Ernte bringen würde. Aber die viele Arbeit, das fast täglich erforderliche Fisolen-Pflücken bis in den Herbst hinein, stand nicht im Kostenvoranschlag für diesen Wunsch.
Nebenkosten irgendwie! Frühe Liebe weiß noch wenig um Runzeln und Gicht und um die Kümmernisse, die man aneinander haben wird – muss sie auch nicht. Und der ehrgeizige Hochschulabsolvent denkt bei seinen Karrierewünschen wohl recht wenig an die Folgekosten: Zeitmangel, Beziehungsprobleme, Schlafmangel.
Da denke ich an den „Schweiß des Angesichts“, unter dem Adam und Eva samt Nachkommenschaft seit dem Verweis aus dem Paradies ihr Brot verdienen müssen. Doch nicht das Schöne, das Gute, das Paradies selbst also, wurde weggenommen, aber: Der Schweiß ist dazugekommen. Die Nebenkosten des Glücks wurden drastisch erhöht. Es ist wie bei den Gartenfreuden: Am Ende sehnt man fast schon den Winter herbei, der all dem Schweißtreibenden ein Ende bereitet. Da kann sie dann wieder keinem – die Vorfreude auf ein nächstes Mal.
Und hoffentlich hat man bis dahin verstanden: Die Kunst besteht darin, bei seinen Wünschen und Begehrlichkeiten nicht zu übertreiben, sondern stets die Nebenkosten im Auge zu behalten.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>