BRIEF_KASTEN
Ich muss zugeben, dass ich mit Heiligsprechungen oft wenig anfangen kann. Zu sehr möchte ich glauben, dass es sich auch bei diesen Menschen um zweifelnde und manchmal egoistische Geschöpfe gehandelt hat.
Ähnlich geht es mir mit meiner Namenspatronin, Maria Magdalena. Aber Maria von Magdala war anders und ihr Andenken hat viele kontroverse Gesichter: Von der Prostituierten wurde sie in manch Überlieferung zur Geliebten Jesu und dann wiederum zur reuigen Sünderin glorifiziert.
Ich mag vielmehr das emanzipatorische Bild der Frau, die allein unter vielen Männern Stärke bewiesen hat. Sie begleitete Jesus bis zuletzt und verleugnete ihn nicht. Das erforderte durchaus Mut, wenn man bedenkt, wie mit „Verräter:innen“ verfahren wurde.
Maria Magdalena ermutigt dazu, laut zu werden, kritisch zu sein und für andere einzustehen. Eigenschaften, die heutzutage oft nicht allzu verbreitet sind. Eigenschaften, die ich an mir selbst auch manchmal vermisse, weil sich zurückzuziehen oft viel bequemer erscheint als aufzustehen und anzupacken.
Auch wenn ich manch Heiligsprechung kritisch betrachte, so habe ich mich doch mit meiner Namensgeberin angefreundet und ehre ihr oft wenig beachtetes feministisches Andenken.
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