BRIEF_KASTEN
Der Knopf. Tausende Jahre führte er ein bescheidenes Dasein. Zuletzt sind Knöpfe mit erstaunlichen Wirkkräften ausgestattet worden, unheimlich sogar. Ein Knopfdruck – und das Schicksal der Menschheit könnte besiegelt sein.
Man muss nicht mächtig sein. Knöpfe und Tasten bestimmen den ganz gewöhnlichen Alltag. Ein sachtes Tippen – und die Jalousie wandert nach oben. Ein Tastendruck – und der Aufzug fährt. Mehr und mehr überlassen Menschen „lästige“ Verrichtungen den Knöpfen. Man gewöhnt sich daran.
Sogar das Geld besorgt man aus dem Automaten und spürt gar nicht mehr, mit wie viel Anstrengung es verdient werden musste. Überall wird es einem abverlangt. Ein knappes Tippen auf die Taste, schon kommt die Bestellung ins Haus, oder – auf dem Handy – eine Frage beantwortet sich wie von selbst. Wie praktisch!
Vielleicht sollte man sich erinnern: Als Kind war man stolz darauf, endlich etwas selbst tun zu können. Und als Erwachsene:r strebt man plötzlich danach, möglichst viele Verrichtungen nicht mehr selbst erledigen zu müssen. Bis man es gar nicht mehr könnte. Man kommt nicht mehr mit, ist schließlich angewiesen auf Tasten und Knöpfe.
Die Welt dahinter – wie etwas funktioniert und wer dafür sorgt, die Kehrseite also, wird einem zunehmend fremd. Im Fall einer Störung braucht es spezielles – meist teures – Personal. Die schönen, so praktischen automatischen Abläufe haben wir um den Preis der Aufgabe von Selbstständigkeit erworben. In vielem mag es harmlos sein, in vielem ist es das nicht.
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