BRIEF_KASTEN
Warum eigentlich denken wir es so: dass der Himmel oben sei. Über allem.
Gewiss, man mag nicht gerne unten sein: im Beruf bei denen, die wenig zu sagen haben und noch weniger bezahlt dafür bekommen oder überhaupt. Ohne Auskommen, ohne Ansehen, ohne ein echtes Zuhause. Nach oben steht den Menschen der Sinn. Aber dort sind die Plätze knapp – nach menschlichen Maßstäben.
Was also ist es dann mit dem Himmel? Wo suchen wir ihn?
Platz für alle. Dort ist der Himmel. Die Geschichte von Christi Himmelfahrt erzählt es so – und „Mariä Himmelfahrt“ deutet es sogar noch genauer an. „Aufgenommen“ wurde sie in den Himmel. So bekennen es die Katholikinnen und Katholiken in Bezug auf Maria – und hoffen es auch für sich selbst.
Sie ist nicht aufgestiegen wie ein Mensch, der im Lauf der Jahre nach oben kommt. Die Aufnahme Marias in den Himmel geschieht nicht aufgrund eigener „Leistung“, für die sie belohnt würde mit einem Ehrenplatz.
Wenn vom Himmel die Rede ist, so ist das die große Erzählung vom Entgegenkommen Gottes. Er kommt und nimmt Maria auf – und so dürfen alle, die an Gott glauben, diese Hoffnung teilen: dass Gott uns entgegenkommt. Das ist die Hoffnung. Das ist der Himmel. Er nimmt uns nicht in einen erlesenen Zirkel auf, in einen Exklusivclub mit raren Plätzen. „Viele Wohnungen“ hat er bereitet, heißt es. Das ist der Glaube.
Vielleicht sollten wir den Himmel besser in den Tiefen des Lebens vermuten als nur in den Höhen. Unten also. Weil Gott sich ganz einlässt in die Niederungen des Lebens.
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