BRIEF_KASTEN
Oben, im Gegenlicht der Sonne, hat es noch einmal einen gewaltigen Auftritt: das Herbstlaub im letzten Glanz. Unten am Boden, wenn es trüb und regnerisch ist, wird es als lästig empfunden. Kundige freilich schätzen, dass es selbst dort noch eine besondere Aufgabe erfüllt – den Boden und das Leben darin zu schützen und zu nähren.
Jedes einzelne Blatt hat seine Aufgabe erfüllt. Sauerstoff und Feuchtigkeit hat es gespendet, die Sommerhitze erträglich gemacht. Millionen-, ja, zig-milliardenfach machen Blätter die Erde zum lebbaren Raum – jedes einzelne Blatt für eine eng begrenzte Zeit und in einem ganz kleinen Raum, alle zusammen jedoch auf Dauer und weltumspannend.
Herbstlaub lässt an das Leben der Menschen denken. Auch deren Lebenssinn erfüllt sich auf diese zweifache Weise: für jeden einzelnen Menschen allein, aber auch in Bezug auf das große Ganze der Menschen. Wie das Blatt für den Baum, der Baum für den Wald, der Wald für das Land – und all die Landschaften zusammen die Welt erfrischen und mit Sauerstoff versorgen, so ist es auch bei den Menschen. Jeder Mensch für seine Familie und Freund/innen, die vielen kleinen Gemeinschaften für ein Land, die einzelnen Völker für die ganze Menschheit: Im Miteinander der vielen Einzelnen erfüllt sich das Leben. Und tröstlich ist auch dies: Es gibt ein danach – immer wieder eine nächste Generation.
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