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In Liebe verbunden: Die Grabinschrift der Christin Ursa in Wels

KUNST_GESCHICHTEN

In der Reihe „Kunst & Geschichte_n“ stellt Lothar Schultes die berührende Grabinschrift der Christin Ursa in Wels vor. Dies ist der einzige, vollständig erhaltene frühchristliche Grabstein Österreichs. 

Ausgabe: 08/2026
17.02.2026
- Lothar Schultes
 Grabplatte der Christin Ursa, 1. Viertel 5. Jh. n. Chr., Stadtmuseum Wels.
Grabplatte der Christin Ursa, 1. Viertel 5. Jh. n. Chr., Stadtmuseum Wels.
© Stadtmuseum Wels

Im Jahr 1893 fand man im römerzeitlichen Gräberfeld Ost in Wels ein Grab mit einer Inschrift, die als Zeugnis unerschütterlicher Liebe gilt. 
Der Text lautet: „Flavius Januarius, Soldat, hat (diesen Grabstein) zu seinen Lebzeiten machen lassen. Geborgen im Grab ruht hier Ursa, eine treue (beständige) Christin, im Alter von 38 Jahren. Infolge einer Geburt raffte das grausame Schicksal sie plötzlich hinweg und lieferte sie der tiefsten Unterwelt aus und verließ mich plötzlich, den Gatten, der ihr fürs Leben verbunden. Ich Unglückseliger irre umher und suche sie, die ich selbst für immer unter der Erde bestattet habe. Oh, was wird das Schicksal wohl noch zuteilen, das zärtlich Liebende so trennt, wie es auch uns getrennt hat, denen es nicht erlaubt war, gemeinsam die Liebe auf Erden zu genießen. Dies sage ich den Lesenden und Tränen begleiten die Worte: In Liebe Verbundene sollen sich immer glücklich preisen, denn es wird nichts Süßeres geben als die erste Jugend.“

 

Ein Zeugnis des frühen Christentums


Die Inschriftplatte ist der einzig vollständig erhaltene frühchristliche Grabstein Österreichs. Der Text berichtet von der tiefen Trauer eines römischen Soldaten über den Verlust seiner geliebten Gattin, die bei der Geburt ihres Kindes starb. Formulierungen wie „hic pausat“ sprechen dafür, dass Ursa im frühen 5. Jahrhundert lebte. Wie die ergrabenen Reste zweier frühchristlicher Kirchen in Lauriacum (Enns) belegen, hatte damals das Christentum dort bereits Fuß gefasst, während in Ovilava (Wels) bisher keine Kirche nachzuweisen ist. 

 

Auch in der Lebensbeschreibung des hl. Severin, die das christliche Leben in Noricum beschreibt, bleibt Ovilava unerwähnt. Dies lässt vermuten, dass Ursa anderswoher stammte. Die Poesie des Textes und die Anklänge an das klassische Versmaß (den Hexameter) lassen auf eine gewisse Kenntnis der antiken Literatur schließen, andererseits sind die Verse holprig und die Grammatik fehlerhaft. 

 

Mit der tiefsten Unterwelt, dem Tartarus, ist jener Ort gemeint, wo die Verstorbenen entsprechend der platonischen Seelenlehre gereinigt werden. Da jeder Hinweis auf eine erhoffte Auferstehung fehlt, dürfte Flavius Januarius im Gegensatz zu seiner Frau kein bekennender Christ gewesen sein. Ein weiterer Grabstein einer jungen Christin Namens Ursa hat sich im Museo Nazionale Paleocristiano in Aquileia erhalten. Vielleicht darf man daraus auf die Herkunft der Welser Ursa schließen.

 

Inschrift auf Ursas Grabstein

 

FL(AVIVS) IANVARIVS MIL(ES) VIVVS FECIT CONDITA SEPVLCRO HIC PAVSAT VRSA CRESTIANA FIDELIS AN(NORVM) XXXVIII PER PARTVM SVBITO DVCENTE INPIO FATO EST TRADITA TARTARISIMIS ET ME SVBITO LINQVIT SIBI CONIVGEM PRO TEMPO RE IVNCTVM QVEM AMBVLO ET QVERO MISER QVEM IPSE AETERNA CONDIDI TERRA Ο QVIT TRIBVAT GENESIS QVI SEPARAT CONVIRGINIOS DVLCIS VT NON LICVIT NOBIS IVGITER SVPERNAM FRVNISCI CARITATEM HOC DICO LEGENTIBVS ET LACRIMIS PROSEQVOR VERBA CONIVNCTI AMANTIS SEMPER SE BENEDICERE DEBENT QVIA NIHIL ERIT DVLCIVS QVAM PRIMA IVVENTVS. 

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