
Das Jahr 2026 steht in Oberösterreich im Zeichen des 400. Todestages von Stefan Fadinger. Sein Name ist bis heute mit Widerstand gegen Ausbeutung und Unterdrückung verbunden, aber auch mit dem Kampf für Freiheit, insbesondere für die freie Ausübung der Religion. Der von ihm geführte Aufstand war nur einer von vielen. So gab es seit 1356 über 60 blutige Auseinandersetzungen, von denen nur der Krieg von 1625/26 in allgemeiner Erinnerung blieb.
Im Mittelalter lehnten sich die Bauern vorwiegend gegen Klöster und Pfarrer auf, in deren Abhängigkeit sie standen. Im oberösterreichisch-niederösterreichischen Bauernaufstand von 1595/97 wurden 15 Artikel formuliert, die erstmals die – erst 1848 erreichte – Befreiung von der Grundherrschaft forderten.
Als 1620 das Land ob der Enns von Kaiser Ferdinand II. an den bayerischen Kurfürsten Maximilian verpfändet wurde, zogen die Truppen von Feldmarschall Tilly und Graf Herberstorff sengend und brennend durch das Land. Dazu kam, dass die evangelischen Prediger und Lehrer gezwungen wurden, binnen acht Tagen das Land zu verlassen. So entzündete sich der Aufruhr 1625 in Natternbach und Frankenburg an der Einsetzung katholischer Pfarrer, die nicht einmal Deutsch sprachen. Während Herberstorff in Natternbach die gefangen genommenen Bauern freiließ, ging er in Frankenburg mit aller Härte vor. Bis heute gilt das „Frankenburger Würfelspiel“ als Beispiel himmelschreienden Unrechts. Dabei mussten auf dem Haushamerfeld bei Pfaffing 36 Bewohner ohne Gerichtsverfahren um ihr Leben würfeln, darunter auch Richter und Ratsherrn. 17 wurden gehenkt und ihre Körper zur Abschreckung auf Spieße gesteckt, die anderen kamen frei.
Am 22. Mai 1626 wählten die Bauern Stefan Fadinger zum Oberhauptmann des Traun- und Hausruckviertels. Unter seiner Führung gelang es ihnen, die Truppen Herberstorffs bei Peuerbach zu besiegen und Eferding, Wels, Kremsmünster und Steyr zu besetzen. Herberstorff zog sich nach Linz zurück, wo ihn die Bauern neun Wochen lang belagerten. Am 28. Juni wurde Fadinger bei einem Erkundungsritt vom Dach des Landhauses von einem Scharfschützen schwer verwundet. Da sein Pferd getroffen war, musste er sich zu Fuß in sein Hauptquartier nach Ebelsberg schleppen, wo er am 5. Juli an Wundfieber starb. Nachfolger wurde sein Schwager Christoph Zeller, der am 18. Juli fiel. Nachdem es fünf bayrischen Schiffen gelang, die Kettensperre der Donau zu durchbrechen und Entsatz nach Linz zu bringen, erlitten die Bauern bei Neuhofen-Gschwendt, Leonfelden, Emling, Gmunden, Vöcklabruck und Wolfsegg schwere Niederlagen mit etwa 12.000 Gefallenen. Zahllose protestantische Familien mussten auswandern, so auch in Vöcklabruck, wo 1627 von 116 Bürgershäusern nur mehr 16 bewohnt waren.
Nach Kriegsende ließ Herberstorff die Leichen Fadingers und Zellers exhumieren, enthaupten und im Seebacher Moos (heute Hinzenbach) bei Eferding verscharren. Fadingers Hof in Parz bei St. Agatha wurde niedergebrannt und seine Familie „auf ewig“ des Landes verwiesen. Seine Frau floh mit den beiden Kindern nach Deutschland, wo sie bei einer adeligen Protestantenfamilie Aufnahme fand. Sein Besitz fiel an die Herrschaft Stauff. Die überlebenden Anführer wurden gehenkt und gevierteilt und ihre Köpfe ein Jahr lang auf dem Steyrer Stadtplatz zur Schau gestellt. Trotz dieser abschreckenden Strafen brachen auch später immer wieder Aufstände aus. Gründe waren Missernten, hohe Steuern, das grundherrliche Jagdrecht und die willkürliche Rekrutierung von Soldaten.
Von allen Bauernführern blieb nur Stefan Fadinger in Erinnerung. Schon bald nach seinem Tod besingen ihn Lieder als Helden, der für Glaubensfreiheit und Recht eintrat. Im Unterschied zu Andreas Hofer, der in Tirol als Volksheld gefeiert und durch zahlreiche Denkmäler geehrt wird, blieb das Andenken Fadingers auf die Tafel am angeblichen Sterbehaus in Ebelsberg und die Gedenksteine in St. Agatha und im Seebacher Moos beschränkt. An das Schicksal der Bauern erinnern die Gedenkstätte auf dem Haushamerfeld, die Bauernkriegskapelle auf dem Stadlfeld in Kledt bei Neumarkt im Hausruck, die Steinpyramide auf der Ledererwiese bei Peuerbach, das Denkmal am Eichberg in Enns, das Kreuz und die Sühnekapelle am Schulterberg bei Pram und das Löbl Marterl bei Marchtrenk.
Den letzten, katastrophalen Niederlagen der Bauern sind die Denkmäler im Emlinger Holz, am Bauernhügel bei Pinsdorf und auf der „Schanze“ in Wolfsegg gewidmet. Seit 1925 wird das Frankenburger Würfelspiel mit über 400 Laiendarstellern aufgeführt. In St. Agatha widmet sich das Stefan-Fadinger-Museum dem Andenken des Bauernführers. Auch die „communale oö“ ist dem Thema „Mut – 400 Jahre Bauernkrieg“ gewidmet.
Die kommende „communale oö“ – ein Kulturformat des Landes Oberösterreich – behandelt das Thema 400 Jahre Bauernkrieg in Oberösterreich. Die Geschehnisse von 1626 stehen für einen Wendepunkt in der Geschichte. Erstmals stiegen breite Bevölkerungsschichten für mehr Rechte auf die Barrikaden und lehnten sich gegen die Unterdrückung durch die Obrigkeit auf.
Auch der oberösterreichische Bauernkrieg von 1626 richtete sich gegen feudale Unterdrückung, hohe Abgaben und mangelnde politische Mitsprache. Inspiriert von reformatorischen Ideen und der Forderung nach Gleichheit formulierten die vier Aufständischen zentrale Anliegen wie die Aufhebung der Leibeigenschaft, gerechtere Steuern und das Recht auf eine selbstgewählte Geistlichkeit.
Das Programm der „communale oö“ wird nicht nur eine Nacherzählung der Geschehnisse von vor 400 Jahren liefern, sondern sucht auch
nach Bezügen zur Gegenwart. Es macht dieses Thema mit den Mitteln der Kunst und einem Kulturvermittlungsprogramm erlebbar und verständlich.
Das offizielle „communale oö“-Opening wird am Freitag, 17. April in Linz stattfinden. Im Rahmen einer festlichen Auftaktveranstaltung werden viele Projektausschnitte und Veranstaltungsvorschauen gezeigt. Am 8. Mai findet die Eröffnung der Ausstellung im Schlossmuseum statt.
Tipp: Stefan-Fadinger-Museum
St. Agatha, Adresse: Kirchenplatz 1, 4084 Sankt Agatha, Telefon:
07277 82550, Anmeldung erbeten unter: 0677 645 01 559.

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