BRIEF_KASTEN
Rom liegt in Europa, der Vatikan offenbar ganz woanders, wie die Diskussion um das vatikanische Nein zur Segnung homosexueller Paare zeigt. Vielleicht wäre es also zur Abwechslung gut, wenn sich Franziskus einmal nicht „an die Ränder“ der Welt begibt, sondern in die Mitte Europas. Nein, damit ist nicht Ungarn gemeint, das er im September besucht. Vielmehr wäre ein Papstbesuch in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz sinnvoll. Österreich eignet sich dafür leider nicht. Wir hatten früh schon Reformansätze, aber der Widerstand des Apparates hat viel Energie vernichtet.
Nicht weniger sinnvoll als der Papstbesuch in Deutschland oder der Schweiz an sich wäre es, dabei das Programm zu ändern – keine Ansprachen, sondern ein Pontifex, der zuhört: zum Beispiel beim Synodalen Prozess in Deutschland; oder im Kreise fortschrittlicher Theolog/innen; oder den Vorträgen von Wissenschaftler/innen in der Geschlechterforschung; oder unangemeldet in der Kirchenbank bei der sonntäglichen Wort-Gottes-Feier in einer Stadtrandpfarre, die nicht Eucharistie feiern kann.
Nein, die Mitteleuropäer wissen nicht besser als der Papst, wie die aktuellen Fragen der Menschheit zu beantworten sind. Aber wissen sie es schlechter? Deshalb sei Franziskus nahegelegt, auch ihr Denken kennenzulernen, um nicht bald wieder Vorgaben gutzuheißen, die Schaden anrichten.
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