BRIEF_KASTEN
Das Ergebnis der Bundespräsidentenwahl brachte keine Überraschung. Interessant war am Wahlabend die oftmalige Erwähnung von „Establishment“ und noch deutlicher von „System“ und „Systemmedien“ bei manchen gescheiterten Herausforderern. Das ist erstens historisch belastet, weil die Nationalsozialisten mit dem Wort „System“ die Weimarer Republik verunglimpft haben. Zweitens hat die Rede vom „System“ selbst System: Indem nicht klar bestimmt wird, was gemeint ist, werden bedrohliche Bilder von undurchsichtigen Mächten erzeugt. Jeder kann hier seine Unzufriedenheit und seine Ängste hineinlegen. Hier wird systematisch Unsicherheit gesät.
Das widerspricht auch dem Begriff selbst, denn ein System ist immer vernunftmäßig durchleucht- und verstehbar.
Und selbstverständlich gibt es konkrete Systeme, die wirken: Wir haben ein Rechtssystem in unserem Staat. Das ist kein Geheimnis, Gesetze und Verordnungen sind öffentlich und dieses System kennt sogar ein Fehlerkalkül. Wir haben gesellschaftliche Systeme, die Soziologen beschreiben. Wir haben ein Sozialsystem, das kritisiert und verbessert werden kann.
Und ja, es gibt auch korrupte Systeme, die in Skandalen öffentlich werden. Medien und Strafverfolgungsbehörden sind dazu da, das aufzudecken und zu beenden.
Jedoch von einem nicht näher bestimmten „System“ zu sprechen, ist Angstmache.
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