BRIEF_KASTEN
„Katholisch“ kommt vom griechischen „kath‘ hólou“: im Ganzen, im Allgemeinen. „Katholisch“ dient also der Verbindung, nicht der Abgrenzung. Angesichts zunehmend sichtbarer Spannungen in der Reformdebatte in der Kirche – weniger in Österreich, umso mehr aber in Deutschland und der Schweiz – gilt es, diese Grundausrichtung der Katholizität im Auge zu haben. Wenn in Deutschland einzelne Kirchenrechtler derzeit darüber diskutieren, ob Seelsorger, die homosexuelle Paare gesegnet haben, einen kirchenspalterischen Akt begangen haben oder nicht, sei an den Grundsatz der Breite und der Vielfalt des Katholizismus erinnert.
Selbstverständlich ist er deshalb nicht beliebig. Auch die größte Breite endet an einem Punkt. Aber Katholizität und enge Grenzen passen nicht zusammen. Vielmehr gilt es, eine Haltung der Toleranz zu schaffen, also einander zu ertragen (Kolosser 3,13; Epheser 4,2). Das ist durchaus herausfordernd, denn beim Ertragen geht es nicht darum, sich mit etwas abzufinden. Ertragen meint, Spannungen auszuhalten, die sich nicht auflösen lassen. Ertragen erfordert Kraft.
Wenn die Kraft für das Ertragen nicht aufgewendet wird, dann wird die Breite eng. Und auf engem Raum finden nur wenige Menschen Platz. Deshalb gilt es, sehr genau nachzudenken, bevor man Trennstriche zieht, und im Zweifel tolerant zu sein.
BRIEF_KASTEN
Jetzt die KIRCHENZEITUNG 4 Wochen lang kostenlos kennen lernen. Abo endet automatisch. >>